Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 470
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BÜFETTSCHALE MIT AUFGLASUR-MALEREI VON PAUL BÖRNER □ KGL. PORZELLAN-MANUFAKTUR MEISZEN

in dem Erdreich der heimischen Scholle. Die
Vervollkommnung der Unterglasurtechnik, der
kristallinischen Glasuren ist von anderen Manufakturen
eingeholt worden. Unerreicht aber
blieb die Kraft und Einheitlichkeit des Stilempfindens
, die das Reich der Tierplastik beherrscht
. Diese Enten, Robben und Möven,
diese Katzen und Eisbären, die ganze Menagerie
ruhender und spielender, schwimmender und
gleitender, zärtlicher und drohender Lebewesen
stand als eine Welt von nie gesehener Ursprünglichkeit
, von sieghafter Selbstverständlichkeit
der plastischen und malerischen Natur
auf einmal vor uns. Da war die Wiederentdeckung
des nationalen Charakters, die man
ersehnte, da war der Respekt vor dem Material
und seiner Bildsamkeit, da war das Erfassen
des momentanen Ausdruckes und dabei das

Eingehen auf den vitalen Stil des einzelnen
Tieres, die Betonung des wesenseignen Umrisses
und das intuitive Weglassen des nicht
in der Gesamtheit der farbigen Erscheinung
Notwendigen. Und in den Vasen und Schalen
lebte eine weiche, ruhig atmende Anmut, die
mit Blumen, Tang und Muscheln, Algen und
allerhand Seegetier den neuen Formen ein
Gewand von reichem und frischem Leben gab.

Die Pariser Ausstellung von 1889 begründete
den Ruhm der nordischen Porzellankunst im
weiteren Europa. Werke wie Pietro Krohns
Reiherservice, das er für Bing & Gröndahl
entwarf, wie manche Arbeiten der schwedischen
Fabrik von Rörstrand sprechen heute nicht
mehr mit der Stärke zu uns wie damals. Aber
die Rolle des Führers auf dem Wege zu einem
neuen Stil blieb dem skandinavischen Porzellan

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