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BÜFETTSCHALE MIT AUFGLASUR-MALEREI VON PAUL BÖRNER □ KGL. PORZELLAN-MANUFAKTUR, MEISZEN
gewahrt. Wir erlebten das Schauspiel, wie
Manufakturen von wahrhaft königlicher Tradition
, Sevres und Berlin, den technischen Errungenschaften
der Kopenhagner Einlaß gewährten
. Wenn die Assimilation der künstlerischen
Anregungen, die ja mit der Neugestaltung
der Fabrikationsmethoden Hand in
Hand ging, nicht immer zu befriedigenden
Ergebnissen führte, so wird sich kein Einsichtiger
darüber wundern. Weder Frankreich
noch Deutschland besaßen ja jene Einheitlichkeit
und Unverfälschtheit des nationalen
Charakters, wie sie sich in den Erzeugnissen
der nordischen Fabriken mit überraschender
Kraft und Stilsicherheit dokumentierte. Aber
ein Vierteljahrhundert hat genügt, hier den
Schutt der Tradition wegzuräumen und die
Keime einer selbständigen, ihrem Inhalt wie
ihrer Formgebung nach neue Ziele verfolgenden
Kunst zu legen. Und im Kreise der
Unternehmungen, die heute das Ansehen der
deutschen Kunstindustrie im Auslande stützen,
ist der Königlichen Porzellanmanufaktur in
Meißen ein vornehmster Platz eingeräumt.
Was Menschen Uebles tun, das überlebt
sie, das Gute wird mit ihnen oft begraben.
Der Spruch des klugen Tribunen, der ja nicht
nur das Persönliche trifft, ist für die Meißner
Manufaktur lange Zeit zur trüben Wahrheit
geworden. Die schlimme Zeit des deutschen
Geschmacks hat das, von ehrwürdigen Organisationsvorschriften
aller Art umfriedete Staatsinstitut
nicht verschont. Den materiellen Erfolgen
, die im Anschluß an die Pariser Weltausstellung
von 1889 blühten, entsprachen die
künstlerischen nicht. Der Rückgang des Ab-
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