Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 478
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Wer aber meinte, die Fabrik werde nun auf
den Jubiläumslorbeeren, die damals in reicher
Fülle der heute noch äußerlich im bescheidensten
Gewände auftretenden Staatsanstalt gespendet
wurden, in gutbehüteter Selbstzufriedenheit
ausruhen, sah sich getäuscht. Man ist
heute in Meißen ehrlich bestrebt, die Linie
der tadellosen technischen Qualität einzuhalten
, und man ist in der Wahl der künstlerischen
Kräfte, die den glänzenden Werkstoff in
das Gewand ihrer individuellen Imagination
zu kleiden haben, gewiß nicht übertrieben engherzig
. Die Forderung nach einem eigenen,
lokal deutlich umrissenen Stil ist freilich noch
nicht erfüllt; das Wienerische ist bisweilen noch
allzu vorlaut. Auf dem Gebiete des einfachen,
sagen wir bürgerlichen Gebrauchsporzellans ist

noch viel zu tun; wir sind ja jetzt so weit in unserer
Geschmackskultur, um für die Reize der
durchgefühlten Linie dankbarer zu sein als für
den noch so wortreichen und selbstbewußten,
farbigen Dekor. Hier muß unermüdlich experimentiert
werden ohne Ansehung der Kosten,
und man wird aus dem Chaos der Versuchsmuster
, schließlich doch einmal einen Typ
entstehen sehen, der sich mit einem Schlage
den Markt und die Kritik erobert, und der
sich dauernd durchzusetzen vermag. Immerhin
: die senilen Symptome, die noch vor einem
Lustrum an der Manufaktur zu entdecken waren,
scheinen heute völlig verschwunden. Sie trägt
ihren Kopf wieder hoch, und mit bedächtiger
Schnelle tritt sie den Gang an in ihr drittes
Jahrhundert. Erich Haenel

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