Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 479
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ARCH. KARL SURBER-AUGSBURG

GUT HOCHREUTE BEI IMMENSTADT

DAS GUT HOCHREUTE BEI IMMENSTADT

Je größer die Anstrengungen der Großstadt
werden, uns das Leben in ihren Mauern zu
verbessern, je raffinierter der Luxus und die
Behaglichkeit in den Wohnungen wird, desto
dringender wird, ein Paradoxon, die Forderung
einer Rückkehr zur Natur, einer Flucht in ländliche
Verhältnisse, der Wunsch einer Vereinfachung
der Lebensbedingungen und deren Gesundung
. Der jährliche Sommeraufenthalt in
der reinen Luft der Berge, an den Ufern des
Meeres, in den weiten ruhenden Ebenen des
Flachlandes genügt den Vielen schon lange
nicht mehr. Allsonntägliche Ausflüge aufs Land,
Winterkuren, Sporte aller Art sind hinzugetreten
; die Anzahl derVillenvororte, der Sommerwohnhäuser
ist in rapider Steigerung begriffen.
Was in Nord- und Ostdeutschland schon längst
besteht, scheint sich nun auch in Süddeutschland
mehr einbürgern zu wollen: der Erwerb
größerer Gebiete durch kapitalkräftige
Städter zur Anlage von Herrensitzen in Verbindung
mit Mustergütern, die dann auch zum
Teil staatlich subventioniert werden.

Erklärlicherweise sucht aber der gebildete
und besitzende Großstädter bei ständigem Leben
auf dem Lande nach Möglichkeit eine Vereinigung
von Natur und Kultur zu erzielen. Wie

er in der Auswahl der Gegend auch seinen
Sonderwünschen in bezug auf ein Betätigungsfeld
Rechnung trägt, so möchte er auch nicht
ohne den gewohnten Komfort sein, sofern ihm
dieser zur restlosen Erfüllung seiner Lebensweise
nötig scheint.

Alle Wünsche zu erfüllen, alle Pläne in die
Tat umsetzen zu können, ist wenigen beschieden;
wer's erreicht, ist glücklich zu preisen.

Eine halbe Wegstunde von Immenstadt im
bayerischen Allgäu, 80 m über dem Alpsee, also
800m über demMeer, hatDr.Walter Martini
aus Augsburg inmitten eines 220 Tagwerk Wald
und Wiesen umfassenden Gebietes durch den
Augsburger Architekten Karl Surber das Gut
Hochreute erbauen lassen und damit eine vorbildliche
Anlage geschaffen.

Der Lageplan zeigt einen Herrensitz mit
dem üblichen Raumbedarf, ein Verwalterhaus
mit Wagenremisen, ein Oekonomiegebäude mit
Ställen und Heuschinden und zwei kleine Eckpavillons
für den Eiskeller und einen Arbeitsraum
. Diese Gebäude gruppieren sich um
einen etwa 3000 qm großen, stark ansteigenden
Hof, der größtenteils als Obstgarten ausgebildet
ist. Die Stellung der Gebäude ergab sich aus
der örtlichen Beschaffenheit und ist mit be-

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