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ARCH. MAX LITTMANN-MUNCHEN
der Großkaufmann — sie alle können nicht
mehr, auch wenn sie es wollten, Mäzene
sein wie die fürstlichen Bauherren der älteren
Zeit, sie können nicht mehr ihren privaten
Prunklaunen folgen, sie müssen immer an die
vielen denken, für die gebaut werden soll.
Auch die Baumeister müssen das tun. Sie
hatten es leichter, als sie nur einem Herrn
gegenüberstanden, der doch immer ein großer
Herr war und nicht zu knausern brauchte; der
oft ein gutes Verständnis hatte für das, was
schön und großzügig war, und nicht selten
selbst die fruchtbarsten Anregungen gab. Eine
Baupolizei mit ihrem redlichen Paragrapheneifer
von heute gab es noch nicht. Der Luxus
aber beherrschte die Welt. So war es kein
Wunder, daß eine Glanzzeit der großen Baumeister
und genialen Dekorateure heraufzog,
deren hinterlassene Denkmäler wir heute anstaunen
, ohne ihnen Gleichwertiges an die
Seite stellen zu können.
Wenn wir nun auch genötigt waren, für
unseren bescheidener gewordenen individuellen
Prunkbedarf bei der alten Fürstenkultur dekorative
Anleihen zu machen, so müssen wir
doch in der rein praktischen konstruktiven
Lösung jener Aufgaben, wie sie die Masse
diktiert, unsere eigenen Wege gehen. Das
KGL. KURHAUS: ANSIC
HT VON SÜDEN g
haben sogar die reinen Eklektiker, die akademischen
Fassadenkünstler, die Gotiker und
Renaissancisten wohl oder übel getan. Pal-
ladio gibt keinen Aufschluß darüber, wie ein
Bahnhof oder eine Festhalle für 10 000 Menschen
zu disponieren ist, und Vitruv erst recht
nicht. Auch bei der Anlage von modernen
Heilstätten, von Kurbädern oder Sanatorien
muß der Architekt selbständig denken und erfinden
können, wenn er nicht scheitern will.
Es ist freilich im ganzen noch nicht viel
Sehenswertes bei diesen modernen Zweckbauten
herausgekommen. Es steckt noch alles
in den Anfängen. Mein alter Wunsch ist, daß
endlich einmal ein unternehmender Geist, der
beispielsweise ein Sanatorium gründen will, die
Sache von vornherein im großen Stile anfaßt
und, statt in irgend eine stille Waldung ein
paar fragwürdige, städtisch frisierte Landhäuser
zu setzen, einen bedeutenden Architekten beauftragt
, einen großzügigen Plan zu entwerfen,
der für hundert Jahre ausreicht. Da müßte
Haus- und Gartenarchitektur, Bau- und Bodengliederung
ebenso bedeutend angelegt und vorbedacht
sein wie meinetwegen das Würzburger
Schloß mit seinem wundersamen Park oder
Hellbrunn bei Salzburg oder Großsedlitz bei
Dresden. Genau so gut wie die absoluten
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