Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 504
(PDF, 180 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0594
sind, und wirkt bei 36,5 m Länge, 18 beziehungsweise
27,5 m Breite und 16 m Höhe sehr hoch
und luftig. Seinen Charakter erhält er durch
die völlige Einkleidung in Holz. Max Littmanns
Vorliebe für die dekorative Verwendung dieses
unerschöpflich schönen Materials ist von seinen
älteren Arbeiten her bekannt. Auch diesmal
hat er mit poliertem Kirschbaum (Wände), grau
lasiertem geblasenen Fichtenholz (Kassettendecke
) und tiefgrünen Vorhängen mit schwarzer
Applikation eine ebenso festliche wie vornehme
farbige Raumstimmung geschaffen. Die
1065 Sitze in dunklem Palisander mit grauem
Bezug fügen sich farbig harmonisch ein, die
sechs großen versilberten Beleuchtungskörper,
aus verschiedenfarbigen Glasperlen korbartig
geformt, geben ein äußerst angenehmes, weiches
und doch helles Licht. Die Akustik des gefüllten
Saales erwies sich bei der Eröffnungsfeier
als vollkommen geglückt.

Es scheint mir besonders erfreulich, daß die
schöne Raumwirkung des Saales, der ja recht
eigentlich als repräsentativer Mittelpunkt der
ganzen Baugruppe gedacht ist, ohne jeden absichtlichen
Prunk zustandegekommen ist. Freilich
, der dekorative Aufwand der Holzverkleidung
mit ihren zarten Ebenholzeinlagen ist für
jeden Kenner enorm, denn die Münchner
Möbelfabrik Pössenbacher hat mehrere tausend
Quadratmeter Vertäfelung herzustellen gehabt
— auch ihrerseits eine imposante technische
Leistung und vielleicht bisher die größte dieser
Art. Aber man kann sagen, daß dieser Reichtum
würdig zur Schau gestellt wird. Die Wandfüllungen
gehen der vertikalen Bewegung der
Pfeiler nach, die Balustraden sind ganz einfach
und nur vor dem Orchester ein wenig
reicher im Ornament, und äußerst geschickt
sind die Ventilationsgitter am Deckensims als
dekorativer Abschluß der Wand eingefügt.
Nebenbei bemerkt, ist im Untergeschoß eine
komplizierte elektrische Filteranlage ständig in
Betrieb, um sämtliche Räume des Hauses mit
staubfreier und je nach Bedarf temperierter
Luft zu versorgen.

Die hölzernen Langwände des Saales im
Parkett lassen sich einklappen und in die Pfeilervertäfelungen
zurückschieben. Dadurch wird
auf der rechten Seite der kleine Musiksaal
(Abb. S. 497) geöffnet und kann zur Vergrößerung
des Festsaales unmittelbar herangezogen
werden. Dieser kleine, sogenannte
„grüne" Saal zeigt als Sondermotiv zwei kannelierte
Säulen mit bemalten Trichterkapitäl, und
diesem barocken Einfall entspricht die Zeichnung
der weiß gemalten Ornamente auf dem
sehr intensiv grünen Grunde, wie auch die
Form der Türen und die ovalen Blumenstücke.

In ähnlicher Weise dem historischen Ausstattungsstil
des späten Barock angenähert,
aber selbständig in den dekorativen Einzelheiten
ist auf der gegenüberliegenden Seite
der Konversationssaal (Abb. S. 498/99)
mit einem kleinen Vorraum behandelt. Die
Grundfarben sind Weiß mit Rot, an den Marmorkaminen
vergoldete Gitter, die Ornamentik
der Spiegel ebenfalls vergoldet, Mahagonimöbel
mit rotvioletten Damastbezügen und rote Fenstervorhänge
. Eine Anzahl moderner Bilder,
Leihgaben der Münchner Galerie, gute Arbeiten
darunter von Herterich, Strützel, Kaiser,
B. Becker, vervollständigen die Ausstattung.
Die Bogenfenster, die bis zum Boden reichen, gestatten
den Austritt in einen kleinen Schmuckhof
(Abb. S. 505/07). Mit seinen Freitreppen
und plätschernden Brunnen, mit den terrassier-
ten Wegen um den kleinen Rasenplatz und
zwei Pergolen mit reicher Plastik und Wand-
bemalung nimmt er die Ueberlieferung ähnlicher
intimer Gartenhöfe aus dem 17. Jahrhundert
wieder auf. Besser als die reichliche
Bemalung in Grauviolett und Gelb auf Blau,
die sich immerhin in akademischen Grenzen
hält, wirkt die weiße Kalksteinplastik zwischen
den getönten Säulen. Neben diesen ruhigen
Arbeiten des Bildhauers W. S. Resch schlagen
die fidelen kleinen Steinputten von Düll und
Petzold auf dem Treppenpodest, sowie die
Bronzestatuetten derselben Bildhauer an den
Brunnen einen frischeren Ton an. Die architektonische
Ausnutzung des Fleckchens ist
jedenfalls sehr glücklich gelöst.

Man betritt den Schmuckhof auch von den
beiden Lesesälen aus (Abb. S. 503), die in
ungewöhnlich stattlicher Ausdehnung: 7:25
und 14:10 m groß, ihr Licht von zwei Seiten
überreich empfangen. Sie sind gleichartig auf
4 m Höhe in graugrün geräucherter Eiche vertäfelt
, im größeren Saal zwei Kamine in
Majolika von Resch und ebenfalls wertvolle
neuere Originalgemälde aus Staatsbesitz. Bequeme
lederbeschlagene Eichenmöbel, bunte
Vorhänge vor den Schiebefenstern, die das
Sitzen im Freien gestatten und einen wunderhübschen
Blick über die Saale hinweg in die
schönen Baumgruppen des Kurparks gewähren.
Ueberhaupt ist die Lage dieser Räume, sowie
der anstoßenden beiden Schreibzimmer
(Abb. S. 502) so weltfern und ruhig wie möglich
. Am größeren Schreibzimmer, neben dem
ein kleiner, ganz intimer Raum als Damenzimmer
ausgebildet wurde, ist die bunt verglaste
Kuppel wirksam zur Belichtung herangezogen
. Die Möbel, hier graue Eiche, nebenan
Kirschbaum mit Intarsien, weisen die soliden
Zweckformen einer maßvollen Moderne auf.

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