http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0606
Johann Vincenz Cissarz-Stuttgart
Derlockendes Gebiet, an dem auch die größten
der Modernen nicht achtlos Dorübergingen, mußte
das Exlibris so phantasiebegabten Köpfen roie
er besonders reizDoll erscheinen. Konnte doch
in diesen Kunstroerken en miniature die Freude
am rein artistischen, handroerklichen Beginnen
ebenso unbehindert zur Geltung kommen, roie
der Entfaltung geistDoller und kapriziöser Einfälle
unbegrenzter Spielraum geroährleistet roar.
Will man Cissarz' Don Bienenemsigkeit erfülltes
Schaffen roirklich kennen lernen, es ist
roahrlich kein leichtes Stück Arbeit. Tage und
Wochen können darüber Dergehen, und immer
roieder roird er Neues zu bringen haben. Hat
man heute seine Eindrücke formuliert, roird man
sie morgen berichtigend ergänzen müssen. Künstlern
, die inmitten ihrer Tätigkeit stehen, in denen
es brodelt und gährt, die den geroaltigen Zauber
des Kosmos mit heißen Augen in sich aufnehmen
, soll man sich eben Dorsichtig nahen
und sie nicht mit billigen Superklugheiten über
den Haufen rennen roollen. Das roird Don
unserer Dielschreibenden Zeit allzugern Versucht.
Halten roir uns nun aber an das Gegebene,
Bäume an der Föhrer Marsch (Radierung)
an das PositiDe, roas Cissarz bis heute geschaffen
, so roird sich bei näherer Betrachtung
ergeben, daß er sich roieder einmal einer Wandlung
seines künstlerischen Ichs gegenüber sieht.
Kann das ein Manko bedeuten? Geroiß nicht.
Denn des Künstlers schönstes Vorrecht ist die
Freiheit, frei schalten und malten, sich das zu
eigen machen können, roas einem am besten
zusagt, das ist roohl das, roas sein Ingenium
am besten beflügelt. Und gegenroärtig ist roohl
der Maler Cissarz am stärksten dabei, Don
dieser Freiheit Gebrauch zu machen.
Als Cissarz Dor genau zehn Jahren Don Dresden
nach Darmstadt berufen rourde, roar es
nicht seine Aufgabe, Bilder zu malen. Dort in
der Künstlerkolonie, die unter der temperament-
Dollen Leitung des Großherzogs eben die Augen
der Kunstroelt auf sich zu lenken begann, hatte
man anderes Dor. Es galt das Kunstgeroerbe
zu reformieren, dem jahrzehntelang bestandenen
Zustand der Stagnation ein Ende zu machen
und endlich einmal zu beroeisen, daß der frische
Wind, der durch die Fenster der deutschen
Ateliers drang, auch hier neues Leben geroeckt
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