Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 520
(PDF, 180 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0610
bergischen Kunstfreunde
nach
Stuttgart berufen
morden und hatte
als Professor der
Lehr- und Versuchs
- Werkstätte
ein neues, an Expansionsmöglich
keiten
reiches Arbeitsfeld
gefunden
. Die Kulti-
Dierung des Buches
roaretroa auf
ihrem Höchststand
angelangt,
und so mochte
Stuttgart als zroei-
te Buchhandelsstadt
Deutschlands
die Beru-
fungCissarz'doppelt
freudig roill-
kommen heißen.
Aber über all die
mit feinstem künst-
lerischenSinn und
tausend Raffinements
ersonne-
nen Finessen, die
ihm das moderne
Buch zu danken
hat, und die doch
nie in eine allzuschroffe
Betonung
des Uberinteressanten
, Allzuoriginellen
ausartete
, hat seine
Stuttgarter Tätigkeit
Dorallem eins
gezeitigt: eine
neue Schrift, in
der dieser Aufsaß
gesetzt ist.
Eine neue Lateinschrift
, Don Cis-
sarz gezeichnet,
prachtDoll leserlich
und in der

zroeckberoußten Sachlichkeit der Typen so deutsch
empfunden roie nur denkbar. Was das heiße
Ringen tüchtiger Künstler, es sei nur an Eckmann,
Olbrich u.a. erinnert, heroorgebracht hatte, mar bei
aller Anerkennung ihrer Vorzüge und Originalität
doch mehr oder roeniger Fragment geblieben.
Die Gesuchtheit und Geziertheit eines Stiles, der

j.V. CissarzQ Altargemalde in derFriedenskirchezu Offenbach (T9T2)

auch hier mehr
als einmal die
künstlerische Absicht
scheitern,
und dem Erscheinen
ihrer Taten
auf dem Gebiete
der Druckschrift
folgte meist gar
zu bald der Protest
gegen die
allzu künstlerische
Schnörkelei
und ihre Gefolgschaft
, dieUndeut-
lichkeit. Ohne in
billige Superla-
tiüe zu fallen, darf
man getrost sagen
, dieses Manko
besit}t die Cis-
sarz-Latein nicht,
und die Don der
Schrift - Gießerei
Ludroig &> Mayer
in Frankfurt a. M.
bisher Dorgeleg-
ten Proben demonstrieren
, roie
dieCissarz-Schrift
in den großen
Graden eine fast

monumentale
Wirkung hat, und
roie auch die
kleinsten Typen
klar und deutlich
sind. Hat in der
legten Zeit der
Kampf um Fraktur
oder Antiqua die
Gemüter besonders
heftig erregt,
angesichts dieser

Cissarz-Latein
mag man die fast
fanatisch Derfoch-
tene Vorliebe für
die letztere roohl
Derstehen.

Zu der eigenen kam nun auch die Lehrtätigkeit,
und roer je Gelegenheit hatte, Arbeiten der Cis-
sarz-Schüler zu sehen, roird anerkennen müssen,
roelch schöne Früchte sie getragen hat. Wie
das eigene Schaffen beseelt mar Don IndiDidua-
lität und lebensprühendem Temperament, das
sich in eleganten Linien und fein ersonnenen
Ornamenten auslebte, so sollten nach seinem

noch inmitten der Entroicklung begriffen roar, ließ

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