http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0622
8
Tüpfelei wird. Sie
wurde sowohl bunt wie
einfarbig ausgeführt.
In der Figuren- und
der Landschaftsmalerei
nahm man sich wie in
Meißen Watteaus' Bilder
oder einheimische
Kupfer von Städtean-
sichten als Vorlage.
Aber es blieb in allem
eine Schwere der Hand
und einUebersehen der
dekorativen Grundgesetze
. Dresdens Barock
war für alle diese
französischen Stile
denn doch eine andere
Voraussetzung als die
ziemlich alleinstehende
Vorliebe des preußischen
Königs für französische
Philosophie
und Verse. Und
es ist zumal kein
Wunder, daß die
Berliner Manufaktur
in der Plastik
besonders weithin-
ter Meißen zurück
blieb. Erst als man
die Porzellanmasse
zu Miniaturporträtstatuen
von Kaiserinnen
oder auch
zu Volkstypen verwandte
undPorträts
auf Tassen wie auf
Teller malte, zeigte
sich etwas sehr
bestimmt Berlinisches
in solchen
Erzeugnissen, eine
temperamentvolle
Sachlichkeit, die
auf Chodowiecki
und Graff hinweist.
Schon imjahrel765
entstand das sehr
bewegte und lebendige
Reliefbildwerk
„Grieninger im
Kreise seiner Familie
in dem Moment
, als er die
königliche Bestallung
zum Direktor
erhält". Schon das
DOSE MIT FARBIGEN EMAILLEN UND GOLD AUF GRÜNEM
GRUND VON H. LANG
VASE M. AUFGLASURMALEREI AUF GOLDGRUND V. WILLI STANKE
Ausführung: Kgl. Porzellan-Manufaktur, Berlin
Thema dieser unbe-
malten glasierten Medaillons
kennzeichnet,
wie viel weiter im
Grunde doch Berlin
von Paris entfernt war
als Meißen. Später
malte man das Bild
des Königs Friedrich
Wilhelm II. in einem
schwer vergoldeten
Rahmen auf den Bauch
einer eiförmig kannelierten
Vase, und wieder
ist es auffällig, wie
da, wo das praktische
Bedürfnis einsetzt(hier
ein ehrendes Geschenk
zu schaffen), sich die
Berliner Manufaktur
über alle Stilfragen und
Einflüsse hinwegsetzt
und am Ende doch
etwas Einheitliches
zustande bringt.
Die klassizistische
Form eines solchen
Stückes ist nicht
eigentlich mehrfranzösisches
Empire
, sondern zeugt
von einem viel unmittelbareren
Verständnis
altklassischer
Kunst. Nicht
so sehr über Wien
oder Sevres kommen
solche Anlehnungen
an die ägyptische
Kunst, zylindrische
, kampanische
, etrurische
Kannen und Tassen
, nein, hier
zeigt sich der mit
der Romantik erwachende
wissenschaftliche
Geist
des ausgehenden
18. Jahrhunderts
sehr wirksam in der
Kunst Preußens,
wie die Romantiker
zumeist bezeichnenderweise
preußischer
, ja berlinischer
Abkunft gewesen
sind.
532
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0622