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ARCH. H. POELZIG □ HOF D. GEBÄUDES D. HISTOR. AUSSTELLUNG □ ATHENE-BRUNNEN VON R. BEDNORZ-BRESLAU
die Errichtung eines 764 m langen Säulengangs
, der das Wasserbecken in weitem Bogen,
der Kurve der Uferlinie folgend und begleitet
von einem breiten Promenadenweg, umzieht
(Abb. S. 541). Als Stützen der Pergola hat
der Architekt gedrungene Doppelsäulen verwendet
, die ebenso wie der schwere Architrav
und die Querbalken in Eisenbeton gestampft
sind. Der Architrav ist als Pflanzentrog ausgebildet
, mit Erde gefüllt und mit wildem Wein
bepflanzt worden, dessen üppiges Blattwerk ein
grünes Dach über den Säulengang wölbt.
Mit dieser wohlgelungenen Gesamtanlage ist
für die Wirkung der Ausstellungsbauten wesentlich
schon vorgesorgt. Namentlich die Jahrhunderthalle
profitiert von der geschickten Plandisposition
des Ausstellungsarchitekten; denn
dieses riesige Bauwerk bedurfte zu seiner Wirkung
einer architektonischen Umgebung, aus
welcher vergleichende Maßstabsfaktoren gewonnen
und Rückschlüsse auf seine gedehnten
Proportionen gezogen werden können. Berg
mag das selbst empfunden haben, als er die
kleinen, mit niedrigen Kuppeln gedeckten Pavillons
zu beiden Seiten des Hauptzugangs zur
Jahrhunderthalle errichtete, und als er dem Gebäude
in Richtung seiner Querachse, für den
Blick über die Wasserfläche hin, den langgestreckten
provisorischen Terrassenbau des
Hauptrestaurants vorlagerte, dessen breite Horizontale
überdies einen erwünschten Gegensatz
zu den etwas zahlreichen Kuppeltürmen der
Ausstellungsgebäude hätte schaffen können,
wenn der Architekt sich nicht selbst wieder
durch die pavillonähnliche Form, die er dem
Dachaufbau gegeben hat, um diese günstige
Wirkung gebracht hätte. — Was den Bau der
Jahrhunderthalle betrifft, so stellt er eigentlich
mehr eine maßstäblich neuartige Raumumschließung
als eine künstlerisch bedeutende
Raumschöpfung dar. Dieses Gebäude ist eine
gewaltige und überzeugende Demonstration für
die ungeahnten Möglichkeiten geworden, die
ein Material von der Durchbildungsfähigkeit,
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