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Ii \ \
§
MAX HEIDRICH-PADERBORN
KAMIN-NISCHE DER DIELE (vgl. s. 545)
Ausführung des Kamins und Marmorbelags: Louis Steinhauer, Osnabrück
meist weniger berechtigten Sonderwünschen
des Auftraggebers ausgeschaltet war und der
Wille des Architekten außen und innen sich
einen ihm adäquaten Ausdruck schaffen konnte.
Eine solche Harmonie kann nur da zustande
kommen, wo das Aeußere nichts anderes sein
will als die Form für den Inhalt, d. h. wo wie
hier von innen nach außen gebaut wird.
Dem Grundgedanken nach stellt sich diese
Anlage als ein vornehmes Einfamilienhaus dar,
das aus einem Erdgeschoß, einem Obergeschoß
und einem Dachgeschoß besteht.
Betritt man von dem halbrunden überdachten
Säulenvorbau das Haus, so kommt man gleich
in die Diele. Schon beim Eintritt, und das
ist das hervorragendste Charakteristikum der
Heidrich'schen Kunst, wird man von dem Eindruck
der Wohnlichkeit erfaßt. Es wäre ein
leichtes gewesen, durch eine nur dem Schaustellungsbedürfnis
dienende Aufmachung die
Schaulust des großen Publikums zu befriedigen
. Daß Heidrich alles vermieden hat, was
nichts mit dem Zwecke eines Empfangsraumes
gemeinsam hat, der zugleich auch Wohnraum
sein kann, ist ein Zeichen seiner Ehrlichkeit,
die ihn im Kleinen wie im Großen niemals
auf Abwege kommen läßt. Die Gefahr lag
sehr nahe, in einem „herrschaftlichen" Hause
Schloßallüren anzunehmen und eine Repräsentationshalle
zu schaffen, die durch ihre Abmessungen
das Auge besticht, aber mit den
übrigen Räumen in keinem ungezwungenen,
harmonischen Verhältnis steht. Den Eindruck
eines Durchgangsraumes, den die meisten Dielen
herrschaftlicher Häuser trotz reichlicher
Möblierung machen,hat man bei Heidrich nicht,
und das hat er dadurch erreicht, daß er die
Treppe nicht so breit angelegt hat, wie es
meistens in ähnlichen Fällen geschieht, sondern
sie in eine Ecke legte und zwar so, daß ihr
Fuß nur wenig in den Raum hineinragt (Abb.
S. 545/6). Zur Boden- und Wandverkleidung
der Diele ist fast ausschließlich Marmor verwendet
worden. Der Fußboden ist mit „blanc
clair" und einem Fries aus belgischem Granit
belegt, die Wandflächen mit „vert des Alpes"
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