Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 554
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MAX HEIDRICH-PADERBORN OBERE DIELE IM HAUS POLICH-STADLER

Wandvertäfelung geätzte Kiefer mit schwarzen Buchenleisten; Ausführung: Werkstätten Bernard Stadler, Paderborn

als ihnen die erkämpfte Freiheit Stück um
Stück beschnitten wurde, nicht anders zumute
gewesen sein, als uns, die wir auf diesem
kleinen Teilgebiet des künstlerischen Schaffens
einige Freiheit erringen helfen wollten, die wir
als wahrhafte Ideologen schon an den Sieg
wirklicher und neuzeitlicher Ideen geglaubt
haben, und die wir nun sehen müssen, wie
unsere Ideale von geschäftigen Händen der
künstlerischen Reaktion preisgegeben werden.

Für heute nur ein Beispiel, eines, das die
guten Freunde und die allzu sorglosen Schläfer
aus ihrer Lethargie aufrütteln soll. Es geht
ja nicht um ein paar Ornamentenschnörkel
; es geht um die deutsche
Qualitätsarbeit, geht um den deutschen
Namen vor der großen Welt
da draußen.

Das „größte Schiff der Welt" so hieß
es in begeisterten Zeitungsberichten — ist vor
einigen Wochen vom Stapel gelaufen. Der
„Imperator", ein Wunder der Technik, eine
kühne Leistung deutscher Ingenieurkunst und
deutscher Großorganisation, befährt das Weltmeer
. Es ist alles kühn, gewaltig, rassig,
modern, elementar an solchem Schiffsriesen.
Mit van de Velde möchte man von der hellenischen
Schönheit eines solchen lebendigen
Kolosses träumen. Man stellt sich vor, daß
die Menschen, die das geplant und organisiert
haben, selbst ergriffen und mitgerissen worden
wären von der Kühnheit, die da unter ihren
Händen emporwuchs — und man hört, daß sie
doch noch mehr besessen waren von
der Mumienpracht toter französischer
Könige. Als sie daran gingen, diesen „Imperator
" wohnlich zu machen, da wurden sie
klein wie die deutsche Spießerin, die im Basar
das Stück mit der fremdländischen Etikette
allem anderen vorzieht.

„Das Restaurant Ritz", so heißt es, „wurde
einem Franzosen, Herrn Remon, anvertraut,
der alle pariserischen Konventionen entfaltete:
Direktoire-und LouisXVI.-Motive; Wedgwood-
Medaillons auf blauem Grunde in gelber Wandtäfelung
; Bronzeschnickschnack; die eisernen
Träger zu Kunststeinsäulen gewandelt. . . Der
Rauchsalon ist von einem Engländer hergestellt
: Imitation einer altschottischen, spätgotischen
Schloßhalle. Nicht nur Schnitzereien
und Kaminwand aus mittelalterlichen Zeiten,
sondern auch die gegossene (!) Nachbildung
eines geschnitzten Figurenfrieses; Backsteinfußboden
aus — Linoleum ..." Das Schwimm-

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