Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 555
(PDF, 180 MB)
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bad in pompejanischer Manier. Tee- und Tanzsaal
(zwar von einer deutschen Firma) aber
„historisch gestimmt". Wie ja das deutsche
Kunsthandwerk bei der Austapezierung dieser
mittelgroßen Stadt natürlich auch „berücksichtigt
" worden ist; aber wohl nur so
weit, als es mit diesem Franzosen
oder diesem Engländer zusammenpaßte
! Deutsches Kunstgewerbe, so wirst
du gepflegt und gefördert von denen, die das
größte Schiff der Welt unter der deutschen
Flagge über den Ozean fahren lassen.

Als der Lloyd vor etlichen Jahren den
„Washington" und die „Kronprinzessin
Cäcilie" von Bruno Paul und seinen Leuten
ausstatten ließ, als Paul hier ein Höchstes
an Geschmack, an Eleganz und würdevoller
Schönheit geleistet hatte, da glaubten
wir jubeln zu dürfen. Da stellten wir uns vor,
welch gewaltigen Eindruck diese höchst kultivierte
Raumkunst auf die seefahrenden amerikanischen
Nabobs machen müsse, da sprachen
wir davon, welche Konsequenzen es für unsere
neue deutsche Raumkunst haben müsse, wenn
sie den Reisenden aller Weltteile in so nobler
Form präsentiert werde. Optimisten vom
Schlage des Karl Schmidt in Hellerau glaubten
schon auf einen Riesenexport nach Nord- und

Südamerika und wer weiß wohin noch rechnen
zu dürfen. Man hatte das Gefühl, als ob die
Macht der französischen Königsstile nun bald
endgültig gebrochen wäre, als ob da draußen
in der großen Welt nun die Zeit gekommen
wäre für das deutsche Kunstgewerbe, für die
neue deutsche Qualitätsarbeit. Im Bereich des
Herrn Ballin aber, dem nach Berliner Muster
die ganze Richtung nicht zu passen scheint,
der sich von den prachtvollen Pössenbacher-
Räumen im Hotel Atlantic in Hamburg so ostentativ
abwandte, als ob ihm ein Rinnsteinbild
von Liebermann vorgesetzt worden wäre, in
diesem Bereich herrscht noch unentwegt der
lahme Pegasus der Stilimitatoren.

Die deutschen Qualitätsarbeiter haben sich
gegen die erbärmliche Imitiererei feierlichst
zusammengeschlossen. Sie machen großartige
Tagungen, halten wackere Reden; sie klären
den kleinsten Kommis geschmacklich auf, auf
daß er als ein verständnisvoller Verkäufer zum
selbstverständlichen Propagandisten unserer
neuen Qualitätsideale wird. Aber wer hätte
je gehört, daß einer den mächtigsten
der deutschen Großkaufleute darüber
aufgeklärt hätte, was die deutsche
Qualitätsarbeit von ihm zu tun und zu
unterlassen fordert? Paul Westheim

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