Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 562
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0660
der feine Gesellschaftston Petersburger Salons Y.

aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts a>

lebendig, die Kuppeln des Moskauer Kremls g

blitzten auf, das Auge der galanten Katharina ß

schien auf diesen Tanzspielen zu ruhen, und der ö

zärtlichste Malerästhet, der marquisenkundige £•

Somoff, konnte, ein anderer Watteau, diese Sze- ö

nen komponiert haben. Um aber endlich auch w

die Ausdruckskultur der Russen, die mit char- x

mantester Restlosigkeit allen Absichten und r.

allen inneren Potenzen ihrer so nationalen Kunst @

in die Erscheinung halfen, wenigstens mit einem g

Wort zu charakterisieren, diene uns ein Satz @

Goethes, der in „Der Tänzerin Grab" zu lesen (9

ist: „Die schöne Beweglichkeit der Uebergänge, C

die wir an solchen Künstlerinnen bewundern, ^

ist hier für einen Moment fixiert, so daß wir H

das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige S

zugleich erblicken und schon dadurch in einen H

überirdischen Zustand versetzt werden. Auch ß

hier erscheint der Triumph der Kunst, welche (9

die geheime Sinnlichkeit in eine höhere ver- ß

wandelt, so daß von jener kaum eine Spur S

mehr zu finden ist." Georg Jacob Wolf V.

provinzfranzösische Rokokokultur gesellte, beides
zusammen habe genügt, diese schwermütige
Grazie, diese anmutreiche Melancholie hervorzurufen
, und für diese Stimmung hätten die
Russen den reinsten künstlerischen oder besser:
den reinsten bildmäßigen Ausdruck gewonnen.
(Denn merkwürdig: bei diesen Veranstaltungen
des Russischen Balletts ist das Auge mehr
auf seine Rechnung gekommen als das Ohr,
und dürfte man nach diesen Vorstellungen urteilen
, so würde man das Ballett näher verwandt
der bildenden Kunst als der Musik
wähnen.) Diese Anschauung von einer zusammengestoppelten
Stimmung und ihrem
ästhetischen Ausdruck ist indessen nicht zutreffend
. In diesen Vorführungen war vielmehr
all das, was Rußland an leichter, an sozusagen
beschwingter Kultur in Jahrhunderten
hervorgebracht hat. Und das ist mehr, als man
zu meinen pflegt, da man unter russischer Kultur
gemeinhin nur Kosaken, bestechliche Beamte
, Sibirien, Dostojewski, betrunkene Großfürsten
, verrückte Studentinnen und Tolstoi zu
verstehen pflegt. In diesem Ballett aber war

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