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I
Rosenhof zu werden. Prof. Jobst, der Schöpfer
des Liebig-Denkmals und des Museumbrunnens,
wird zugleich mit dem Maler Pellar den Saal
der,, Freien Kunst" gestalten. Der Goldschmied
Theodor Wende, Ernst Riegels Nachfolger,
wird den Raum für christliche Kunst übernehmen
, die Gebrüder Kleukens wollen ihre
klassischen Drucke und Bücher der Ernst-Ludwig
-Presse vorführen; der Maler Oswald wird
den Galerieraum Albin Müllers und das
Weinrestaurant Edmund Körners durch Monumentalgemälde
schmücken.
Die Raumkunst aber erstreckt sich auch auf
das Gebiet des Städtebaues. Als ein Stück Stadtbaukunst
müssen die Reihenhäuser angesprochen
werden, die Albin Müller an dem nordöstlichen
Ende des Ausstellungsterrains errichtet
. Sie sind bereits im Rohbau fertiggestellt.
Als dieser Architekt für die Hessische Landesausstellung
1908 die damaligen Festhallen geschaffen
, die unsere Mathildenhöhe gegen Osten
so würdig abschlössen, drängte sich jedem beim
Anblick der Bauten der Wunsch nach einem
gleich vornehmen, dauernden Abschlüsse des
Gebietes auf. Denn die Mathildenhöhe, dieses
köstliche Parkidyll, wird an der östlichen Seite
von nüchternen, massigen Bauten industrieller
Anlagen begrenzt. Es konnte sich daher nur
um eine vollständig geschlossene und genügend
TAMARA KARSSAWINA
TAMARA KARSSAWINA ALS COLOMBINE („CARNEVAL")
hohe Gebäudeanlage handeln, welche die da-
hinterlagernden Brauereien mit ihren hohen
Schornsteinen zu verdecken haben. Eine Villenbebauung
, gegen die auch wirtschaftliche Gründe
sprachen, wäre hier verfehlt gewesen. Die Lösung
der Frage drängte daher mehr auf Errichtung
von Etagenreihenhäusern, und es sprach
auch das Bestreben mit, das Miethaus einer
künstlerischen Bearbeitung zu unterziehen und
die Vorteile moderner Wohnungskultur auch
jenen Kreisen zuzuführen, die auf Mietwohnungen
angewiesen sind.
Wie alle der Kunst und der Volkswohlfahrt
dienende Bestrebungen, so genossen auch diese
Pläne des Architekten gedeihliche Förderung
seitens des Groszherzogs Ernst Ludwig,
und Geheimrat Römheld fand unter Heranziehung
mehrerer hessischer Banken den Weg,
das großgedachte Unternehmen der Verwirklichung
entgegen zu führen.
Das Bauprojekt Albin Müllers umfaßt im
ganzen 16 Miethäuser. Vorerst konnte nur die
Hälfte der Gruppe errichtet werden. Eines dieser
Häuser, an das sich nach der Rückseite
zu ein mächtiger Atelierbau angliedert, baut
der Großherzog auf eigene Rechnung. Hier
können eine Anzahl Künstler brauchbare große
Atelierräume und damit verbundene Wohnungen
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