http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0663
( finden. So wird der von den Mitgliedern der
) Kolonie wiederholt ausgesprochene Wunsch
3 nach Ausdehnung der heute zur Verfügung ste-
) henden Räume seiner Erfüllung näher gebracht,
) zugleich aber auch einem Heranziehen weiterer
( Künstler zur Kolonie die Möglichkeit gegeben.
I Die Atelierräume, denen Albin Müller eine
( äußerst zweckmäßige Form zu verleihen wußte,
) werden im Jahre 1914 den Koloniemitgliedern
\ zu Atelierausstellungen dienen. Drei der Miet-
i häuser aber werden die Architekten Körner,
) Margold und Müller während der Dauer
) der Ausstellung wohnlich ausstatten, um zu
l zeigen, wie man sich auch in Mietwohnungen
( ohne großen Aufwand behaglich und zweck-
l mäßig einrichten kann.
( Es war bei den schwierigen Geländeverhält-
) nissen keine leichte Aufgabe, diese Etagen-
) miethäuser einer praktischen und zugleich hy-
) gienischen, dabei auch ästhetischen Lösung zu-
) zuführen. Mit der Anlage ist in bezug auf Platz-
) gestaltung ein städtebauliches Problem be-
( zwungen, dessen ganze Bedeutung erst erkenn-
( bar ist, wenn der gesamte Baublock ausgebaut
j sein wird.
Der Kunstschriftsteller Prof. Dr. Biermann,
) der als künstlerischer Beirat der Kabinetts-
I Direktion an der Leitung der Ausstellung teil- adolf bolm als pierrot
) nimmt, wird außerdem im Residenzschlosse
eine retrospektive Ausstellung von Gemälden
und Kleinplastiken aus der Zeit vom Ende des
17. Jahrhunderts bis zum Beginn des 19. veranstalten
, der man in den Kreisen der Künstler
und Kunstgelehrten mit gespanntem Interesse
entgegensieht.
Mit diesen beiden Ausstellungen des kommenden
Jahres dürfte der Beweis erbracht werden
, daß Darmstadt nicht nur ein künstlerisches
Ausstellungsprogramm, sondern auch ein großzügiges
Kulturprogramm zu erfüllen sich als
Aufgabe gestellt hat. k.
*
Wer es für etwas Kleines ansieht, den Wettkampf
mit einer Weltmacht des Geschmackes
zu wagen, der war nie drüben im
anderen Lager. Aber wir müssen vorwärts auf
eigenem Wege einer Welt von altem Können
gegenüber, denn als Nachahmer bleiben wir
stets nur Kräfte zweiten Ranges. Wer romanische
Form sucht, der weiß, daß wir sie noch
weniger im Blute haben als die Engländer. Wir
müssen der gewaltigen Tradition Trotz bieten
und müssen eigene Wege gehen. Die kaufenden
Völker müssen begreifen, daß es bei uns
etwas grundsätzlich anderes gibt als in Paris,
und dann mögen sie entscheiden!
adolf bolm als pierrot in „carneval" friedrich naumann
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