Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 572
(PDF, 180 MB)
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anders gruppierte. Gerade in solch einfachen
Dingen zeigt sich künstlerisches Feingefühl.

Und nun gar die geschliffenen Vasen von
mehrfachem Ueberfang! Die spätere Biedermeierzeit
hatte solche Objekte, namentlich in
der Farbenstimmung emailweiß mit Rubinrosa,
mit Kobaltblau oder mit Kupfer- oder Chrom-
grün. Aber die wenigen Muster waren in ihrer
Primitivität unerfreulich, so daß das ganze Genre
allmählich geradezu unmöglich wurde. Hier setzt
wieder die Haidaer Fachschule ein (Abb. S. 571).
Der Kugelschliff gestattet zwar nur wenig Varianten
. Aber gerade diese, die oft nur in der
Verbindung der einzelnen Kugelungen oder in
der Abwechslung derselben mit eingeschliffenen
geraden Linien bestehen, sind sehr wesentlich.
Dazu kommt eine ungleich größere Farbenskala
in den Ueberfangschichten, als sie der früheren
Zeit geläufig waren. Namentlich die Akkorde
farblos-schwarz-opakgelb,farblos-weiß-schwarz,
farblos-schwarz-rotu. dgl. bringen überraschende
Stimmungen hervor und geben zugleich den
Fingerzeig, daß man auch jede beliebige andere
Farbe, über die ja die Hüttentechnik geradezu
beispiellos verfügt, heranziehen kann.

Nur der Schnitt auf farblosem Kristallglas
wird noch einer erhöhten Pflege bedürfen, und
man wird hierfür schlichte Dekore, die der
Technik gut angepaßt sind, zu'schaffen haben.

Gerade das farblos geschnittene Glas darf am
allerwenigsten vernachlässigt werden, da es ja
doch für alle Trinkgarnituren das vornehmste ist.

Daß die neuen nordböhmischen Bestrebungen
jede Originalität nicht so sehr in noch nie dagewesenen
Gefäßformen suchen, ist gewiß nur
zu billigen. Nur zu oft hat Originalitätssucht
recht extravagante Bildungen gezeitigt, deren
Gebrauchswert unter der Neuerungssucht nur
allzusehr litt. Als ob wir nicht dasselbe Wasser
und meist auch denselben Wein tränken, wie
unsere grauesten Vorfahren. Und doch gibt
es neue Formvarianten, mit denen man einverstanden
sein kann, deren Kunstform sich von
der schlichten Zweckform nicht unerheblich entfernt
, ohne daß dies auf Kosten der praktischen
Verwendung erkauft wäre.

Daß die K. K. Fachschule in Haida, dem Vorort
der alten Glaserzeugungsgebiete Böhmens,
mit einer solchen Initiative die österreichische
Glasproduktion nicht unwesentlich befruchten
wird, liegt auf der Hand. Gewiß werden auch
die anderen Anstalten bei dieser Aktion nicht
zurückstehen, und am allerwenigsten wird sich
die Industrie selbst solchen Bestrebungen entziehen
können. Wir werden also in nicht zu
ferner Zeit manche Ueberraschung auf dem
Gebiete der Kunstgläser erhoffen dürfen.

G. E. Pazaurek

wilh. krieger-münchen
porzellanfigur:
□ papageien □

ausfuhrung:gebrüder
heubach a.-g., lichte
□ (thüringen) □

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