http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_29_1914/0039
WILHELM LEIBL
DER ZEITUNGSLESER.
Mit Genehmigung der Photographischen Gesellschaft in Berlin
1891
meine damit nicht das Drum und Dran des
Handwerks, das Firnissen, Fixieren, Beschneiden
der Bilder, das „In-den-Raum-komponieren"
und andere Aeußerlichkeiten: das verstand er
'A im Gegenteil ganz und gar nicht, und hätte
nicht der getreue Sperl zur rechten Zeit eingegriffen
, so wäre manches Unheil geschehen,
mehr noch, als an und für sich geschah!
Sein „Handwerk" war vielmehr das reine
Malen, d. h. das in Farben auf der Leinwand
wiederzugeben, was sein schaufrohes Auge in
der Umwelt eingefangen hatte. Er betätigte
diese Kunst ohne alle Kniffe, ohne Experimente
. Seine Palette hatte — nach Hermann
Schlittgen die denkbar einfachste Zusammensetzung
: Kremserweiß — Cadmium hell
Cadmium dunkel — Ocker licht — Ocker dunkel
Kobalt - Terra di Siena — Patentzinnober
— Krapplack — Elfenbeinschwarz
(ja: auch das vielgehaßte Elfenbeinschwarz!).
Manchmal bediente er sich noch des gebrannten
Ockers und des Goldockers, sehr selten
des Ultramarin und Preußisch-Blau.
Schlittgen erzählte vor Jahren einmal einiges
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