Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 29. Band.1914
Seite: 96
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JULIUS DIEZ

SCHERZO

fahren hätte. Damals weigerte sich der Prinzregent
, dessen Bescheidenheit und Taktgefühl sprichwörtlich
waren, sich in seiner Residenzstadt schon
bei Lebzeiten im öffentlichen Denkmal verewigt zu
sehen, und so entstand seinerzeit nur der Rahmen
für das Denkmal selbst: Terrasse und Bassin, die
die monumentale Prinzregentenstraße so glücklich
gliedern, und das barocke Tempelchen, das den
Hubertusbrunnen, ein feines Werk Hildebrands, umschließt
: dieser architektonische Rahmen, inzwischen
gut „zusammengewachsen", gibt nun dem Denkmal
selbst die beste Resonanz. Das Werk ist heraus
aus der Stimmung, welche die Persönlichkeit des
verstorbenen Regenten vermittelte, entstanden: es
wirkt mehr intim als monumental. Das hängt nicht
etwa mit den an sich nicht übermäßig imposanten
Ausmaßen des erzgegossenen Denkmals und auch
nicht mit dem ziemlich tief gewählten
Standpunkt auf niederem
Marmorsockel zusammen,
sondern es entspringt einer
glücklichen Absicht des Schöpfers
, die vorzüglich zum Ausdruck
und in die Erscheinung
getrieben wurde. Von diesem
Denkmal geht etwas von dem
reinmenschlichen, unmonarchischen
Charme aus, den auch des
Prinzregenten Persönlichkeit besaß
, und ich denke mir, eine bessere
Funktion als diese kann ein
öffentliches Denkmal überhaupt
nicht erfüllen. Die Auffassung der
Reitergestalt, die Durchbildung
des Rosses, das durchaus natürlich
wirkende zeitlose Kostüm
des Regenten — das sind neben
der Grundidee nur sekundäre,
aber freilich sehr erfreuliche sekundäre
Momente. Dietechnische
Durchführung ist vollendet. Die
Silhouettenwirkung ist von jedem
Standpunkt aus überwältigend
schön. Die Proportionen von Sockel und
Denkmal, von Roß und Reiter sind vorzüglich abgewogen
. Der Zusammenschluß mit dem architektonischen
Rahmen, mit dem Straßen- und Stadtbild
ist vollkommen.

G. J. w.

HANS VON BARTELS f

A'

PROFESSOR HANS VON BARTELS

f 5. Oktober

Nach einer künstl. Photographie von Hofphot. Gebr. Hirsch,
München

m 5. Oktober ist in München nach langem
Leiden der Maler Professor Hans von Bartels
gestorben. In ihm verliert die Münchener Künstlerschaft
eine ihrer führenden Persönlichkeiten;
im besonderen auf dem von ihm gepflegten Sondergebiet
der Aquarellmalerei war er anerkanntermaßen
nicht nur in München, sondern wohl im
ganzen Reich der Erste. — Hans von Bartels wurde
am 25. Dezember 1856 in Hamburg, wo er auch
den ersten Kunstunterricht bei
Rudolf Hardorff erhielt, geboren
, und später ging er dann
durch die Schulen von Schweitzer
in Düsseldorf und Oesterley in
Hamburg. Reisen, die ihn besonders
häufig an die See führten,
haben ihm den Weg zu dem
Spezialgebiet, das er dann mit
außerordentlichem künstlerischen
Erfolg fast ausschließlich
pflegen sollte, gezeigt. Marinen,
Schilderungen des Meeres und
der Bewohner seiner Küsten,
im besonderen der holländischen
Natur und des holländischen
Volkes umschreiben das Stoffgebiet
, auf dem er wenige gleich
erfolgreiche Mitkonkurrenten
hatte. Der Aquarellmalerei hat
er, indem er ihre Ausdrucksmöglichkeiten
, auch in Anwendung
auf Kompositionen großen
Umfangs, aufs höchste zu steigern
wußte, die Gleichberechtigung
mit der Oelmalerei errungen.

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