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E. MANET
IM BOOT
Neue Pinakothek, Manchen
seines Anteils an der Unsterblichkeit sicher.
Er dünkt sich mehr als gewöhnliche Menschen
. Er begnügt sich nicht, sein Handwerk
zu üben, um der Gegenwart zu dienen,
sondern er fühlt sich als Glied in der Kette
einer Entwicklung. Er wird der Märtyrer
seines Unsterblichkeitsglaubens. Er macht
sich freiwillig zum Ausgestoßenen seiner Zeit,
in dem eitlen Wahn, daß die Ewigkeit ihm
gehöre.
An manchen Mißständen unseres heutigen
Künstlerlebens trägt dieser "Wahn die Hauptschuld
. Eine Gruppe italienischer Halbkünstler
, deren theoretische Konsequenz erstaunlich
ist, schrieb den Namen der Zukunft und die
Absage an die Gegenwart auf ihre Fahne, die
sie mit einem in künstlerischen Dingen bisher
noch nicht dagewesenen Aufwand an Reklame
durch die Hauptstädte Europas trug. Die Futuristen
wollen für künftige Menschen malen, sie
wollen eine Entwicklung fortführen, von einer
angeblich logischen Erkenntnis geleitet.
Sie sind nicht die einzigen, die zu viel an
die Zukunft denken. Wir alle tun es, aber
wir wünschen uns Künstler, die mit beiden
Füßen auf dem Boden der Gegenwart stehen,
die es nicht an jedem Tage hören wollen,
daß ihre Werke für die Ewigkeit geschaffen
sind, denen es genügt, wenn Menschen sich
ihrer Arbeit freuen und mit ihren Werken
zu leben wünschen. Die Zukunft mag entscheiden
, was auch ihr noch dient, aber sie wird
nicht dulden, daß man ihr vorarbeite und einen
Willen aufzuzwingen versuche. Denn auch
sie muß wieder Gegenwart sein, und wir alle,
die wir heut leben, müssen uns begnügen,
das willenlose Material ihrer neuen Arbeit zu
werden.
DAS MUSEE RODIN
Nur einige Formalitäten sind noch zu erfüllen
und der Plan, um den seit einer
langen Reihe von Jahren eine Gruppe von
Schriftstellern und Künstlern gekämpft haben,
wird verwirklicht sein: Paris wird das Musee
Rodin besitzen.
Man erinnert sich der Pressefehde, welche
für das Gelingen dieses Projektes geführt
worden ist. Das Verdienst, die Anhänger
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