Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 29. Band.1914
Seite: 384
(PDF, 175 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_29_1914/0465
BertalanPor,LudwigTihanyi, die im Kunstsalon
„Brüko" ausstellen; auch sie sind keineswegs fertig
und abgeschlossen, aber in dem wilden Gähren ihrer
Kunst liegt Notwendigkeit und innerer Zwang, kein
Volksheim der Welt wird diese Künstler fördern —
oder hindern, was aufs selbe herauskommt—sich
zum Ausdruck ihrer Persönlichkeit durchzukämpfen.
Sie sind nicht eine Gruppe, sondern drei einzelne,
zusammengehalten hauptsächlich durch den gemeinsamen
Zug, daß sie sich mit all dem, was die Kunst
unserer Zeit bewegt, auseinanderzusetzen bestrebt
sind; sonst sind sie von Grund aus verschieden. Pors
Endziel sind monumentale Kompositionen, wie er
sie für die Budapester Volksoper entwerfen durfte;
große architektonische Aufbauten aus mächtigen
Menschengestalten in einfachsten Stellungen und Betätigungen
. Riesenthemen, die sicher noch nicht bis
ins Letzte bewältigt sind, es fehlt ein Element, das
man ein geistiges nennen möchte; aber die großzügige
Verbindung der Figuren mit dem landschaftlichen
Räume enthält eine starke Verheißung für die
Zukunft. Tihanyi konstruiert seine Bildnisse, will
sich des Gerüsts und Aufbaus der Köpfe bemächtigen
, die er malt; diese Konstruktion ist ihm nicht
Zweck, sondern Mittel, er erreicht durch sie eine
merkwürdige Konzentrierung der Wirkung, eineEin-
dringlichkeit, die von der Erfassung der Form auf
die Durchdringung des Geistigen übergeht. Seine
Porträts haben eine innere Lebendigkeit und der
Begriff „der sprechenden Aehnlichkeit" erhält bei
ihnen einen neuen und stärkeren Sinn. Berenyi ist
der jüngste und unfertigste unter den dreien; den
Weg, den er geht, lehrt eine Vergleichung zweier
Stilleben von 1909 und 1911 am besten erkennen.
Das ältere ist eine geschlossene, etwas trockene Zusammenstellung
, im jüngeren haben die Farben zu
leben begonnen und erzeugen eine viel unmittelbarere
und persönlichere Einheit. In allen späteren Bildern
Berenyis haben die Farben etwas Zuckendes und

Vibrierendes und die Kompositionen etwas Irrationelles
und Visionäres, was bisweilen eine spukhafte
Stimmung oder eine dämmernde Erinnerung glücklich
heraufbeschwört, aber eine gewaltige Anstrengung
des Künstlers fordern wird, der leicht aus
einem Gestalter ein zuchtloser Phantast zu werden
Gefahr laufen könnte. — Andre Derain, dessen Werk
die Galerie Miethke in einer Kollektivausstellung
vorführt, ist einer jener unruhigen Sucher, die sich
nicht irgendeiner Richtung restlos hingeben, sondern
darnach streben, durch Irrungen und Wirrungen
hindurch zu persönlichem Ausdruck zu gelangen
. Die älteren Werke — von 1904 bis etwa 1908

— gehören jener Richtung an, die man als die
wilde (fauve) bezeichnet hat; der Reichtum des Naturausschnittes
wird zu großen, möglichst ungebrochenen
Farbenflächen vereinfacht, die durch die
starken Klänge und ihre kräftigen Gegensätze wirken
sollen. Die Fortentwicklung zu einer dekorativen
, Farbenmassen zu harmonischem Ganzen zusammenschließenden
Malerei hat Derain nicht mitgemacht
; er wollte die Preisgabe des Einzelobjekts
vermeiden, den Gegenständen ihren plastischen
Wert erhalten. So gelangt er zu einer Stilisierung,
die jeden Gegenstand auf seine stereometrische
Grundform zu bringen trachtet; in diesen Jahren

— 1909—1911 — berührt er sich mit Picasso, der
von dieser Phase bekanntlich zu einer ganz anderen
Umsetzung des Naturobjekts fortgeschritten
ist. Derain hat diese Konsequenz nicht gezogen;
in seinen letzten Werken — von 1912 an — sieht
er von der auffallenden Konstruktion der Einzeldinge
ab, sucht mehr nach einem gesetzmäßigen
und eindringlichen Aufbau des Ganzen. Darin
nähert er sich wieder mehr den Aufgaben, die
Cezanne sich gestellt hatte; doch fehlt Derain die
duftige Leichtigkeit und farbige Zartheit, die jener
als Erbe und Ueberwinder des Impressionismus
besessen hatte. h. t.

o. gulbransson

Frähjahrausstellung der Münchner Secession

mommsen

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