Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 29. Band.1914
Seite: 474
(PDF, 175 MB)
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heit, mit der die Tiefenwirkung dargestellt ist.
Endlich möchten wir noch auf O. v. Waetjen
hinweisen, dessen weibliches Bildnis in kräftigen
Farben sehr sicher komponiert und von
überzeugender Porträtwirkung ist, während
seine Landschaft, ein Blick auf den Hafen von
Hävre, durch eine sehr feine kühle Farbe
auffällt.

Die plastischen Abteilungen moderner Ausstellungen
pflegen nicht viel Interesse zuerregen.
Und tatsächlich findet man in ihnen meist so
viel Unbedeutendes oder geradezu Lächerliches,
daß sich diese Abneigung leicht erklärt. In
der „ Freien Secession" ist aber gerade dieser Teil
besser als man sonst es gewöhnt ist. Schon die
beiden Arbeiten Rodins — eine ausgeführtere
Fassung des „Eternel idol" und eine Bronzegruppe
dreier Frauen „Die innere Stimme" —
und ein weiblicher Bronzekopf von Maillol,
die in der Sammlung Stern enthalten sind,
gehören zum Besten moderner Bildhauerkunst.
Dann bekommt man die bekannte Büste Dalous
von Rodin, den „Redner" von Georg Minne,
der kürzlich an dieser Stelle abgebildet wurde
(Jahrg. 1912/13, S. 347), zu sehen. Nächst
diesen ist Georg Kolbe in erster Linie zu
nennen. Seine Kunst hat jetzt eine große

Reife und Klarheit gewonnen und seine drei
ausgestellten Arbeiten kann man anstandslos
als vollendete Leistungen bezeichnen (Abb.
S. 466). Sehr geistreich und sicher in der
Stilisierung sind die Frauenakte von Ernesto
de Fiori, von einem liebenswürdigen Talent
zeugt die „Hockende weibliche Figur" von
Renee Sintenis, eine wohlabgewogene Kunst
verrät August Kraus' „Jüngling", sehr bemerkenswert
sind die Arbeiten von Richard
Scheibe, der neben einer seiner Tierfiguren
einen „König Saul" ausgestellt hat. Natürlich
fehlen Gaul und Baluschek nicht. Von
Metzner sind zwei seiner Aktfiguren zu sehen
und von Wilhelm Gerstel vier Arbeiten, von
denen wir die abgebildete weibliche Figur als
eine plastisch sehr gut durchgeführte Arbeit erwähnen
möchten (Abb. S. 466). Schließlich wäre
noch Lehmbruck hervorzuheben. Allerdings
wird man bei seinen neuesten Arbeiten die Befürchtung
nicht los, dieser hochbegabte Künstler
sei auf dem Wege, sich in gefährlichen Spekulationen
zu verlieren. Es ist in diesen Frauenakten
neben wohlstilisierter Natur immer ein
merkwürdiger Einschlag an erklügeltenElemen-
ten. Jedoch: das Ursprüngliche und Starke dieser
Begabung wird sich doch noch durchringen.

HANS MEID

DER REICHE MANN UND DER ARME LAZARUS

Ausstellung der Freien Secession, Berlin

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