Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 29. Band.1914
Seite: 505
(PDF, 175 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_29_1914/0608
I

CARL STRATHMANN

Von Walter Rothes

Diejenigen modernen Künstler, welche nicht
auf der „breiten Heerstraße mit dem
großen Haufen" wandeln, die nicht Mode gewordenen
Richtungen und Gruppen anhangen,
sondern ganz selbständig ihre eigenen Wege
gehen, hatten von jeher mit großen Schwierigkeiten
zu kämpfen, um ihrer Sonderart im
herrschenden Kunstbetriebe Geltung zu verschaffen
und ihren Werken auf dem Kunstmarkte
Beachtung zu sichern. Nur wenigen
war und ist es vergönnt, mit ihrer Eigenart
zu siegen und für die Früchte ihres Schaffens
jene Bewunderung weiter Kreise zu erzwingen,
auf die sie, ihrer Bedeutung nach, Anspruch
hatten. Zu diesen wenigen gehört zweifellos
Carl Strathmann.

Kritik und Kunstfreunde sehen sich seit
Jahrzehnten veranlaßt, sich mit Strathmanns
bedeutender Eigenart, die immer wieder Neues
und Aufsehen Erregendes gebiert, zu befassen.
Weder in Nord- noch in Süddeutschland, wo
er in München seinen Wohnsitz hat, kommen
die Stimmen über ihn zum Schweigen. Einig
ist man darüber, daß seine glänzende, bestechende
Kunst im vollsten Sinne des Wortes
„originell" ist. Man hat erkannt, daß Strathmann
ein „Outsider" ist, der seine eigenen
Wege geht, man hat seine Kunst als „sonderlich
" charakterisiert und ihn als einen „Sonderling
". Aber welche Elemente hat man nicht
alle in seiner „originellen", „sonderlichen"
Kunst gefunden? Welche Bestandteile will

v9

man nicht alle in dieses Malers „dekorativer",
„ornamentaler" Kunst zusammengetragen wissen
? Mosaikwirkung, byzantinische und assyrische
Elemente, Erinnerungen an arabische
Motive, an das Rokoko, Hinweise auf die
Mystik der englischen Präraffaeliten und deren
Ausläufer bis zu dem gespenstig grotesken
Aubrey Beardsley — Strathmanns Mutter war
eine Engländerin —, holländische, speziell
javanische Eigentümlichkeiten — man hat ihn
mit Jan Toorop verglichen —, nicht zu vergessen
: Stilisierung nach Art der Japaner — ff
all dies hat man in Strathmanns Kunst empfunden
und entdeckt, all dies, harmonisch
vereint, ist Strathmanns Stil.

Begreiflich ist es schon, daß eine so eigenartige
und schwer zu entziffernde Künstlernatur
zuerst nicht richtig erkannt und verstanden
wurde, ja selbst von denjenigen nicht,
die den jungen Kunstschüler ausbilden sollten.
Es darf nämlich verraten werden, daß Carl
Strathmann, der in den Jahren 1882—86 an
der Düsseldorfer Akademie unter den Professoren
Lauenstein und Crola studierte, von
dort wegen „Talentlosigkeit" entlassen wurde.
Das war schmerzlich, zumal der „Talentlose"
ein Düsseldorfer Kind war, am 11. September
1866 in dieser schönen rheinischen Industriestadt
als Sohn des Fabrikbesitzers und
späteren Konsuls von Chile, Carl Strathmann,
geboren wurde, wenn er auch den größeren
Teil seiner Jugend und seiner Schulbildung in

Die Kunst für Alle XXIX. 22. 15. August 1914

505

64


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_29_1914/0608