Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 29. Band.1914
Seite: 528
(PDF, 175 MB)
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ANSICHT DER VESTE COBURG MIT DEM MODELL DES LUTHERDENKMALS VON EBERHARD ENCKE

bäumen sich zwei Rosse, also an sich schon Gegensatz
von Laufen und Stehen; außerdem wirkt die
gebrochene starke Linie des ein Pferd niederreißenden
Jünglings abermals als Kontrast.

So ausgedacht und durchgebildet, so „gefühlt"
bis in jede Form hinein, stehen die sämtlichen fünf
ausgeführten Metopen da. Die erste zeigt eine Aufsteigende
und zwei Helferinnen, die zweite zwei
Reiterinnen, welche ihre Rosse in Gang bringen,
in der dritten bändigt eine der kraftstrotzenden
Amazonen ihr wildes Pferd; sie ist noch nicht aufgesessen
; das Tier springt noch; es berührt den
Boden nicht; dennoch hat es, wie der Franzose
sagt, „de l'aplomb". Die rasende Vorwärtsbewegung
wird glücklich und in sorgsam abgewogenem Gegensatze
durch einen Hund kompensiert, der von der
Bändigerin aus einen Rücksprung vollführt.

Zu den übrigen fünf Reliefs existieren große und
kleine Studien, so daß der ganze Zyklus einigermaßen
überschaubar ist. Er wird einmal das Zürcher
Kunsthaus, den Bau Karl Mosers, zu einem
Museum machen, das schon von außen den Kunstfreunden
hohe Befriedigung bietet. Carl Burckhardt
aber hat hier ein Problem aufgestellt, dessen glückliche
Lösung ihm einst Ruhm bringen dürfte.

'Alb. Gessler

DAS LUTHERDENKMAL AUF DER VESTE

COBURG

Bekanntlich^ soll, zur Erinnerung an den halbjährigen
Aufenthalt des Reformators auf der
Veste Coburg während des Reichstags von Augsburg
ein Denkmal errichtet werden. Nach Beschluß
des Preisgerichts beim allgemeinen Wettbewerb der

deutschen Künstlerschaft im Mai 1913 und auf Grund
des Ergebnisses im engeren Wettbewerb im März 1914,
soll die Ausführung des Denkmals dem Bildhauer
Eberhard Encke in Berlin-Friedenau übertragen
werden. Preisrichterund beratende Künstler waren:
die Architekten Bodo Ebhardt, Hans Grässel, Ludwig
Hoffmann; die Bildhauer Adolf Brütt, Adolf
von Hildebrand, Joseph Rauch, Walter Schott und
der Maler Angelo Jank. Der Künstler hat jetzt das
Modell in natürlicher Größe aus Holz und Gips
an dem für das Denkmal bestimmten Platz, an der
Südwestseite der äußeren Zwingermauer der Veste
zwischen den beiden Pulvertürmen, aufgestellt. Um
die kraftvolle, mächtige Luthergestalt, die herabhängende
Rechte trotzig geballt, mit der Linken die
Bibel an die Brust drückend, erhebt sich ein torähnlicher
Aufbau, so daß man den Eindruck gewinnt
, als ob der Reformator aus der Burg herausträte
. Auf dem Architrav stehen die Psalmworte,
die Luther einst in die Nische seines Fensters auf
der Veste schrieb: ,,Ich werde nicht sterben, sondern
leben und des Herrn Werk verkündigen." Der
Platz vor dem Denkmal ist einer der schönsten
Mitteldeutschlands. Zu Füßen liegt die Stadt, darüber
hinweg erblickt man die Berge des Rhöngebirges
; nach Norden weitet sich der Ausblick
bis zum Thüringer Wald, nach Süden bis zu den
Bergen des Maintales mit dem Staffelberg und im
Rücken des Denkmals erhebt sich die mächtige Burg
mit ihren Türmen und Zinnen. Falls die Mittel für
das Denkmal, dessen Vorarbeiten bereits über
20000 Mark gekostet haben, rechtzeitig aufgebracht
werden können, soll das Denkmal im Jubeljahre
der Reformation, 1917, in welchem Jahre auch die
Erneuerung der Veste durch Bodo Ebhardt beendigt
sein wird, eingeweiht werden.

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