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ARCH. OSWIN HEMPEL - DRESDEN □ □ □ DAS DRESDNER HAUS AUF DER BAUFACH-AUSSTELLUNG IN LEIPZIG
DAS DRESDNER HAUS AUF DER INTERNATIONALEN
BAUFACH-AUSSTELLUNG LEIPZIG 1913
Dem kosmopolitischen Ehrgeiz, der die Leipziger
dazu trieb, ihre Architekturschau
unter der Flagge einer Weltausstellung des gesamten
Bauwesens hinaussegeln zu lassen, muß
es angesichts des fertigen Werkes etwas unbehaglich
zumute werden. Zwar Programme
sind heutzutage allgemein dazu da, auf dem
Papier zu leben und zu sterben. Aber das
sächsische Klein-Paris hätte besser daran getan
, die Grenzen seines Unternehmens von
vornherein etwas enger zu ziehen, und der Vergleich
mit internationalen Veranstaltungen wirklich
großen Stiles, wie die in vielen Punkten
als Ideal voranschwebende Dresdner Hygieneausstellung
, war nicht herauszufordern. So muß
man es erleben, daß die geschlossene Repräsentation
der fremden Staaten, die dort so
monumental in Szene trat, völlig ausbleibt, und
neben Sachsen, dem Gastgeber, und Oesterreich
nur eine einzige Stadt ihr Schaffen in selbstständigem
Rahmen vorführt: Dresden.
Zur Linken der breiten Straße, die als Querachse
des Ausstellungsgebietes doch infolge
ihrer Verbindung mit dem Hauptzufahrtsweg
den stärksten Verkehr aufweist, dicht nach
ihrer Kreuzung mit der Straße des 18. Oktober
haben die Dresdner ihr Haus erbaut. Wie
schon vor sieben Jahren auf der denkwürdigen
Kunstgewerbe-Ausstellung in Sachsens Hauptstadt
selbst, trägt auch dies Heim der Dresdner
Kunst um seine feinen Glieder den unsichtbaren
Mantel einer Tradition, die ihre künstlerischen
Wirkungen von der sachlichen Strenge
wie von dem schnellwirkenden Scheinprunk
der neuzeitlichen Ausstellungsarchitektur gleich
deutlich fernhält. Hatte damals Wilhelm Kreis
sein Chalet über einer halbkreisförmig vertieften
Gartenanlage in Hufeisenform als Gruppenbau
gegliedert, so strebt Oswin Hempel mit
Geschick der aristokratischen und heiter-geselligen
Grazie nach, die ein pavillonartig geschlossenes
Lustschlößchen in einem Garten des
18. Jahrhunderts atmet. Der rechteckige Bau
mit seinem Mansardendach öffnet sich mit fünf
stattlichen Türen in einem Halbrund nach dem
gradlinig eingeteilten Gartenparterre. Straff kannelierte
Pfeiler tragen das Gesims; über ihm
erhebt sich im Mittelbau eine Attika, deren fünf
Rundfenster den klassizistischen Grundton vernehmlich
umstimmen. Ein offenes Rundtempelchen
, von gleichfalls kannelierten Pfeilern getragen
, krönt das Dach. Und es fällt nicht
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