Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 52
(PDF, 184 MB)
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montierten Elfenbeinzylinder wirken als eckige
Fremdkörper, so reizvoll auch die farbige und
stoffliche Differenzierung der beiden benachbarten
Materialien ist. Sie sind für jede, von
oben zugreifende Hand unpraktisch, weil sie
dem Griff keine sichere Rundung anbieten,
sondern die schwer balanzierende Rechtwinkligkeit
eines Reißbrettentwurfs; sie sind aber
darum auch, vorab im scharfen Profil, eine
nicht befriedigende Lösung. Denn man spürt
den artistischen Einfall statt des organischen
Werdens. Das ist sehr schade; denn man
braucht nur einen Augenblick die Henkel für die
Vorstellung zu entfernen, so besitzt man eine
elegante und in ihrer Grazie doch feste, entzückend
frische Grundform. Der lockere Fuß
ist fast kokett; die Wandung des Gefäßes hat
eine schöne und reife Linie, und nicht weniger
geglückt ist der flache und einfache Schmuck
des Deckels. Man möchte wünschen, daß diese

Henkellösung nicht die bleibende Notwendigkeit
dieses sonst so anziehenden Services sei.

Zu den Gefäßen gehören die breiten hellen
Silberplatten, die die Schmuckmotive der Hauptstücke
weitertragen; bei Franz Böres in einem
gebuckelten Oval, bei Margold in einer etwas
spröden Eckigkeit. Von diesem findet man dort
auch noch eine getriebene Jardiniere; das Motiv
von Blatt und Ranke der Rebe, mit dem er
die Felder füllt, ist recht lebendig gezeichnet.

Die Arbeiten zeichnen sich aus durch jene
ruhige Sicherheit der Ausführung, die heute der
Ruhm unserer besten Werkstätten ist. Der entwerfende
, erfindende Künstler hat durch die
Spannung seines Formwillens den Ausführenden
über seine frühere Läßlichkeit emporgezwungen
; dafür kann er aber heute auch freier,
unbefangener und unabhängiger die sorgsamsten
Erfindungen Auge und Hand eines solchen
Mannes anvertrauen. Theodor Heuss

FRANZ BORES

SERVICE

Ausführung in getriebenem Silber: Peter Bruckmann & Söhne, Heilbronn

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