Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 101
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URNENWEG DER SONDERAUSSTELLUNG FÜR FRIEDHOFS KUNST DES VERBANDES DEUTSCHER GRANITWERKE

DIE AUSSTELLUNG FÜR FRIEDHOFSKUNST
DES VERBANDES DEUTSCHER GRANITWERKE IN LEIPZIG

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Das Völkerschlachtdenkmal beherrscht mit
seinen enormen Massen das gesamte
Riesengelände der Internationalen Baufach-
Ausstellung zu Leipzig. 12 000 cbm Granit
in Quadern bis zu 360 Zentnern schwer sind
in diesem Erinnerungsmal an das gewaltige
Ringen unseres Volkes vor 100 Jahren aufeinandergetürmt
. Schwer läßt es sich vorstellen
, daß ein anderes Gestein die Wucht
der riesigen Abmessungen, die an keinem deutschen
Denkmal auch nur annähernd erreicht
werden, hätte so zur Geltung bringen können
als gerade der Granit, der für uns ja geradezu
zum Symbol des Festen und Unverwüstlichen
geworden ist. „Den ältesten, festesten, tiefsten,
unerschütterlichsten Sohn der Erde" nennt ihn
Goethe und erzählt, daß er sich seiner Betrachtung
mit „recht leidenschaftlicher Neigung" zugewandt
hatte.

Aber nicht nur zu gewaltigen Werken wie
das Völkerschlachtdenkmal und das Hamburger
Bismarckdenkmal eignet sich der Granit. Haben
doch schon die klassischen Völker des Altertums
, besonders die Ägypter, neben ihren gigantischen
granitenen Kolossen und Obelisken
auch kleinere Werke wie Sarkophage, Porträtstatuen
u. dgl. aus diesem farbenprächtigen
Gestein geschaffen und zwar in einer Feinheit
der Ausführung, die heute nicht weniger in
Erstaunen setzt als jene gigantischen Werke.

Auch auf der Leipziger Ausstellung sind
solche kleinere Granitarbeiten vertreten, und
sie tragen nicht weniger dazu bei, unser Interesse
an diesem Hartgestein wachzurufen als
das Riesenwerk des Völkerschlachtdenkmals.

Wer das Granitgrabmal nur von den schwarzen
, hochglanzpolierten Obelisken und Kreuzen
her kennt, die sich überall in übergroßer Zahl
auf unseren Friedhöfen drängen, wird erstaunt
sein, auf dem Musterfriedhof des Verbandes
Deutscher Granitwerke zu sehen, welche hohe
künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten dieses
Gestein enthält. Die neue Zeit hat eben auch
vor den Granitwerken nicht stillgestanden, und
an Stelle der rein industriellen Herstellung von
Grabmälern ist die Kunstindustrie getreten, die
im Verein mit der Künstlerschaft emsig bei
der Arbeit ist, den Granit hinsichtlich Form
und Farbe zu gestalten.

Gerade die letzte überrascht uns durch ihre
Mannigfaltigkeit ganz besonders. Es war eben
eine Laune, den tiefschwarzen Grabstein allen

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