Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 115
(PDF, 184 MB)
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ERNA SANDIG-DRESDEN m HAUS G.: BRONZEGITTER DER FENSTER IM MUSIKZIMMER
Ausführung: Kunstschlosser Max Großmann, Dresden

niemals hat verleiten lassen, des Guten zuviel
zu tun. Mit ruhigem Geschmack haben er und
seine Gattin, die sich an der farbigen Durchbildung
der Räume mit Erfolg beteiligt hat, und der
eine Anzahl Elemente der Innenausstattung,
Ziergitter, Teppiche, Vorhänge, Tischdecken und
Malereien ihre Entstehung verdanken, aus den
Materialien das für den jeweiligen Raumcharakter
Passende ausgewählt und so eine Anzahl von
Wohnräumen geschaffen, die in ihrer Einheitlichkeit
von Möbeln, Beleuchtungskörpern u. dgl.
schöne Proben moderner Innenkunst darstellen.
Die Halle zeigt bei einer Wandbespannung von
lebhaft farbigem Stoff alle Holzteile in Mahagoni
; der mächtige Kamin ist aus dunkelgrünen
Kacheln mit handmodellierten Zierstücken, die
Möbel sind mit einem zartgrauen Seidenstoff
bezogen. Das Eßzimmer ist durch den hellen
Ton von Zitronenholz und Ahorn graziös und
freundlich gestimmt, in Vorhängen und Teppich
spielt daneben ein kräftiges Grün eine Rolle.
Im Damenzimmer wurde der kecke Akkord
Rosa-Blau, rotes Amarantholz und blauer Wand-
und Möbelstoff, angeschlagen; im Herrenzimmer
hebt sich das derbe Saffianrot der Lederbezüge
von dem ruhigen Grau der Wassereiche ab.
Ein kunstvoll vergrautes Mahagoni im Verein
mit dem aus Blau und Grau gewebten Muster
der Möbelbezüge, nach einem von Josef Hoffmann
gezeichneten Entwurf, vereinigt sich in
dem Musiksaal mit dem schimmernden Gelb
des Marmors.

Die Räume des Hauses sind aber nicht nur
als künstlerische Einzelwerte angemessen
durchgebildet, sondern auch in ihrem Zusammenwachsen
zu dem Organismus eines
vornehmen bürgerlichen Haushaltes als Funktionstypen
mit klarem, sachlichem Empfinden
aufgefaßt. Als ein kleiner Triumph der Raumökonomie
kann es gelten, wenn der Architekt
im Kellergeschoß außer einem Billardzimmer
ein leibhaftiges Schwimmbad einbauen konnte,
das durch einen neben den Schlafzimmern
liegenden Personenaufzug leicht erreicht werden
kann, ohne daß der Benutzer mit dem
Betrieb des Hauses sonst irgendwie in Berührung
kommt.

Man ist heute vielfach noch geneigt, Dresden
für eine Art Phäakenstadt zu halten, in
der Leute mit solidem finanziellem Hintergrund
in Ruhe sich ihres Daseins freuen, wo das
Jagen des modernen Wirtschaftslebens nur von
weitem vernommen wird. Diese Auffassung
Lügen zu strafen, braucht man nur auf den
Mangel an großangelegten, wirklich modernen
Einzelwohnhäusern hinzuweisender die jüngere
bauliche Entwicklung der Stadt mit charakterisiert
. Der Dresdner wohnt wohl gern hehag-
lich und ruhig, aber er ist in seinen Ansprüchen
im allgemeinen bescheiden und sogar
altmodisch. Das Haus Hans Sandigs darf unter
den Bauten, die diese Lücke auszufüllen imstande
sind, von nun an nicht mehr übersehen
werden. e. Haenel

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