Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 174
(PDF, 184 MB)
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Farbenwirkung wurde dem Künstler dadurch
besonders erschwert, daß das Licht von unten
in die Kuppel kommt, er also zwischen Gerüst
und Decke im Halbdunkeln arbeiten mußte.

Dem Künstler wurde für sein Werk eine
besonders erfreuliche Anerkennung dadurch
zuteil, daß er gleich nach der Vollendung des
Kuppelgemäldes von der Gemeinde Sankt Blasien
den Auftrag zu einem zweiten Monumentalbild
für die Kirche erhalten hat. Auch für
dieses Bild war der Raum schon im voraus
bestimmt: eine Nische über dem Altar, die
zwischen die Fensterreihen der Kuppel eingelassen
ist. Gegenstand der Darstellung ist
diesmal ein Stoff aus der Klostergeschichte.
Der eigentliche Begründer der späteren Reichsabtei
Sankt Blasien ist der Ritter Reginhard
von Seidenbüren geworden, der um die Mitte
des zehnten Jahrhunderts dem bis dahin unbedeutenden
Kloster einen großen Teil seiner
Güter geschenkt und so den Grund zu seiner
Blüte gelegt hat. Die feierliche Ueberreichung
der Schenkungsurkunde schildert das Bild.

Der Künstler hat den Vorgang nach reiflicher
Ueberlegung in das Innere der Kirche
verlegt. Damit gewann er den doppelten Vorteil
, daß er in den altertümlichen Motiven
des Altars und der Mosaikwand für die freskomäßige
Wirkung von Haus aus stilisierte Formmotive
gefunden hat, und daß ihm ferner das
Gold als ein Hauptkomponent der Farbe zur
Verfügung stand. Denn wiederum ist die Farbe
des Bildes durch die reiche Verwendung von
Gelb dem Grundton des Raumes angepaßt.
Gelb tritt im Ornat des Abtes, dem Waffenrock
Reginhards und in der Malerei des Altars
als Masse auf und faßt mit dem Grün und
Weiß der Meßgewänder den Hauptteil des
Bildes zu einem Dreiklang starkwertiger Lokalfarben
zusammen, zu dem das kühle graue
Violett der Mönchskutten, Rüstungen und des
Hintergrunds die neutrale Begleitung bildet.
So erhält das Bild in Form und Farbe einen
festen Mittelpunkt, einen breiten und wuchtigen
Aufbau. Die klare Komposition, die starke
Wirkung der Massen und die reiche und leuch-

[ER GEORGI

ENGELREIGEN (vgl. S. 171)

tende Farbenstimmung, bei der namentlich
das Gold eine wichtige Rolle spielt, bewirken
eine dekorative Kraft, die der weiten Entfernung
von 25 Meter Höhe über dem Fußboden
glänzend standhält. War diesmal die
künstlerische Gestaltung durch keine so schwierigen
technischen Probleme gebunden wie
beim Kuppelbild, so sind der Ausführung die
Erfahrungen, die der Künstler bei der ersten
Arbeit gemacht hat, auch rein künstlerisch
reichlich zu gut gekommen. Als Vorzug der
reif durchdachten Arbeit sei nicht zuletzt auch

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