http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0219
der klare und ungesuchte Ausdruck der Handlunghervorgehoben
. Für den Wert eines Kirchen bildes
, das nicht nur ein Schmuck, sondern
auch die Versinnlichung eines bedeutungsvollen
Inhalts sein soll, ist es doppelt wesentlich
, daß auch der Gegenstand anschaulich und
überzeugend geschildert ist.
Aber auch als Schmuck sind die Georgischen
Bilder durch den Zusammenhang mit dem
Charakter und der Bestimmung des Raums
wohl begründet. Die Wiederherstellung der
St. Blasier Abteikirche zeigt, was das eigentlich
Architektonische betrifft, eine sehr glückliche
Hand. Dagegen ist die Raumstimmung
in der Farbe für eine katholische Kirche etwas
nüchtern ausgefallen. Um so notwendiger war
es, dem Raum durch die farbige Kunst der
Malerei noch eine Weihe zu geben, wie es
im Geiste des katholischen Kultus liegt. Uebri-
gens könnte die Wirkung der Georgischen
Bilder, wie überhaupt des ganzen Raums wohl
noch gewinnen, wenn das Licht etwas abgedämpft
würde. Eigentliche Glasmalerei ist zwar
schon durch die strenge Einhaltung des Barockstils
ausgeschlossen; aber eine Abtönung der
wasserhellen Fensterscheiben wäre doch möglich
. Vielleicht läßt sich das mit der Zeit
noch ändern. Karl Widmer
DIE DEUTSCHE WERKBUNDAUSSTELLUNG
IN KÖLN 1914
Auf die Ausstellung, die in Köln, am rechten
Ufer des Rheinstromes auf dem ehemaligen
Deutzer Festungsgelände, im Werden ist und
die im Mai 1914 eröffnet werden soll, blickt
mit lebhaftem Interesse jeder, dem die deutsche
Qualitätsarbeit,derGedankederDurchgeistigung
der Arbeit, die Werkbund-Idee und die Weiterentwicklung
des deutschen Kunstgewerbes etwas
angeht. Und man möchte fragen: Gibt es überhaupt
irgendwen, den das nicht angeht? Aesthe-
tisch, ethisch, wirtschaftlich — irgendwie steht
jeder mit den Dingen in Verbindung, die auf der
ersten Ausstellung des Deutschen Werkbundes in
geschlossener Einheit als ein Kulturweltbild im
kleinen, vorgezeigt werden sollen. Infolgedessen
handelt es sich bei dem Kölner Unternehmen
nicht um eine beliebige Ausstellung, wie wir
ihrer jedes Jahr etliche zu sehen bekommen,
sondern es ist geradezu ein Rechenschaftsbericht
über die Leistungsfähigkeit der zeitgenössischen
angewandten Kunst in Deutschland,
und es ist daher eine Anspannung aller Kräfte
nötig, um diese Ausstellung so vollkommen als
nur irgend möglich zu gestalten. Denn sollte
die Ausstellung nicht das halten, was wir von
1
WALTHER GEORGI
ENGELREIGEN (vgl. S. 171)
175
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0219