Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 193
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PAUL WYNAND-BERLIN

Geprägt von Chr. Lauer, Nürnberg

PLAKETTEN FÜR ATHLETIK

PLASTIKEN VON PAUL WYNAND

Auch dem Künstler, der nicht als ein Fertiger
vor die Welt tritt, muß die Oeffent-
lichkeit Gerechtigkeit widerfahren lassen. Sie
muß eingedenk bleiben, daß sie stets das
Letzte und Endgültige zu fordern hat; ihr darf
aber auch nicht das Organ fehlen für das
Werden und Wachsen der Kräfte, für das Reifen
und Ringen des ehrlich bestrebten Willens.
Wenn der Schaffende seine Werkstatt öffnet,
wenn er denen, die ihm vielleicht ein Publikum
werden könnten, einen Einblick gewährt
in alle die Versuche und Ansätze, die er
machen mußte, um zu sich zu kommen, wenn
er Wege und Irrwege aufdeckt, die ihn sein
Künstlertum geführt hat, dann verlangt er
nach Verständnis.

Verständnis, nicht Lob, nicht Verdammung.
Er will ja nicht eigentlich seine Vergangenheit
zur Schau stellen, sondern er appelliert an
den Betrachter, der das Auge hat, in dem
Ringen von gestern und vorgestern die Zukunftsmöglichkeiten
zu sehen. Er will die Kräfte,
die in ihm triebhaft wirken, bestätigt haben;
er will erlöst werden von den Zweifeln, die,
weil sie ihn noch unsicher machen, ihm ein
immer neuer Ansporn sind.

Es sind nicht die Schlechtesten, die sich
langsam und unsicher auf dem Weg zur Form
weiter tasten müssen, die nicht von Anfang
an jene schlafwandlerische Sicherheit haben,
die allzu schnell nur zur flachen Routine entarten
kann. Sie, die den reinen und lauteren
Willen haben, werden häufig, allzu häufig übersehen
von einer Zeit, die es liebt, sich auf
das Geschickte und Augenfällige zu stürzen.
Ihr Wille aber, der sie in allen Dingen der
Aufmachung so ungeschickt erscheinen läßt,
kann sie nicht anders denn demütig machen.
Sie wissen, daß man des Willens nicht ent-

raten kann, daß man aber auch die Kraft und
das Können haben muß, wissen, daß man
Meister sein muß, und daß es doch nicht geht,
ohne Lehrling gewesen zu sein.

Es ist begreiflich, wenn die im Urteilen
schnell fertige Welt keine Neigung zeigt, sich
bei diesem Willen lange aufzuhalten. Wie oft
ist er befleckt worden! Wie oft hat der Mann,
dem ein großes Vertrauen geschenkt worden
ist, sich als ein Schwächling und ein Verräter
am eigenen Ideal erwiesen! Man hat der Fälle
genug, daß einer, der unentwegt das Große
und Erhabene zu wollen schien, am zwitterhaft
Kleinlichen hängen geblieben ist, daß er
alle enttäuscht hat, die an ihn und seine
Sendung einmal glaubten. Das Talent ist ja
ungleich häufiger als der Charakter. Das
Talent ist da wie eine gute Gabe Gottes, wird
von vielen, fast möchte man sagen von allzu
vielen mitgebracht, aber der Charakter, der
will bewährt sein in Kämpfen und Stürmen,
der muß einmal Stand gehalten haben — und
wie oft hält er nicht Stand.

Vor dem fertigen Werk treten diese Fragen
zurück. Man hat es mehr mit der Leistung
als mit dem Mann zu tun. Man stellt fest,
was geworden ist. Nicht so bei dem Werdenden
, bei dem, der sich noch auf dem Wege
befindet, und bei dem es sich darum handelt,
ob er auf seinem Wege zu einem Ziel gelangen
dürfte, das seine Künstlerschaft zu
einem schätzbaren Wert machen wird. Er ist
ein Versprechen auf die Zukunft. Wie weit
weckt er Hoffnungen? Wie weit ist er künstlerischer
Charakter, um die Erfüllung solcher
Hoffnungen denkbar zu machen?

Fragen, die auch Paul Wynand anregt
in den Arbeiten, die einen knappen Ueber-
blick über sein bisheriges Schaffen geben. Er

Dekorative Kunst. XVII. 4. Januar 1914

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