Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 214
(PDF, 184 MB)
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ARCH. GUSTAV HALMH UBER-HANN OVER □ RATHAUS HANNOVER: SITZUNGSSAAL BEIDER KOLLEGIEN (vgl. S. 215)

Vorhänge, welche sowohl zur Genesis der
Stimmung wie zur Zusammenfassung der unruhigen
Fenstergliederung notwendig sind. Die
hier wiedergegebene Abbildung dieses Musikoder
Tristan-Saales (siehe S. 206) läßt die grazile
Führung des Musikpavillonaufbaues erkennen.
Der anmutige Reiz des ganzen Raumes erwächst
aus der meisterhaften Beherrschung
leichter, rhythmisierender Linien und Profilierungen
und einer in den Verhältnissen wohl
abgestimmten Ornamentbetonung, die auch hier,
wie in allen Sälen, die Gestaltung der Decke
mit einbezieht.

Der Höhepunkt in der Symphonie der Rathaus
-Kunstwerke ist zweifellos das große Gemälde
von Ferdinand Hodler, das sich im
gemeinschaftlichen Sitzungssaal der städtischen
Kollegien befindet und den „Treuschwur der
stadthannoverschen Bürger zur Sache der Reformation
" darstellt. In der Mitte des Gemäldes
steht ein Mann auf einem Podium und
schwört in feierlicher Haltung den Treuschwur,
zu beiden Seiten auf ebener Erde und hinter
ihm haben sich die Bürger aufgestellt. Der
Wirkung des Gemäldes, das viel farbiger ist,
als Hodler sonst zu sein pflegt, kann man sich
kaum entziehen: Ein feierliches Gelübde steigt
gen Himmel, eine ernste, schwere Verpflichtung

wird übernommen. Wie ein Wall von Speeren
ragen die Arme und Hände senkrecht empor,
ein gutes halbes Hundert. Das Bild verzichtet
auf alles Unsichere und Unbekannte des historischen
Vorgangs auf dem Marktplatz zu Hannover
und gibt nach Abstreifung alles Zufälligen
das Charakteristische und Typische,
sowie es auf der ungünstigen Wand am überzeugendsten
und eindruckvollsten dargestellt
werden konnte. Durch die straffe Rhythmisierung
, wie sie z. B. die Schenkellinie der
gleichmäßig vorgestellten Beine bei zehn Männern
betont, kommt das Hindrängen und die
Erregung der Menge und zugleich die Ergriffenheit
der Einzelpersönlichkeiten ungemein stark
zum Ausdruck. Das Blau, Gelb und Rot der
starken Farben posaunen das einheitliche Festliche
und Feierliche der erschütternden Slunde
wie einen Choral in den Saal hinab. — Freilich
über dessen Maße ist das Bild dem begeisterten
Künstler hinausgewachsen. Doch was will
das gegen die Bedeutung dieses Kunstwerkes
sagen? Ein Saal, der groß genug ist, wird
leichter und eher zu beschaffen sein, als ein
solches Werk, das heilig genug ist, daß ein
Saal eigens darum gebaut werde.

Die hier gezeigte Abbildung des Hodler-
schen Gemäldes stellt noch einen Zustand dar,

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