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GUSTAV AMMANN-ZÜRICH □ EINGANG ZUM GARTEN SCHUBIGER IN UZNACH
Ausführung: Otto Froebels Erben, Gartenarchitekten, Zürich
ÜBER NEUE GARTEN
Rein äußerlich hat der neue Garten nun
wieder ehrliche Formen angenommen.
Aber es fehlt ihm noch Verschiedenes. Wir
suchen nach seiner Seele, nach tieferen Werten,
die verborgen in ihm schlummern, und wünschen
, ihm mehr Inhalt und neues Leben zu
geben.
Es ist ja noch so viel Hartes, Ungelenkes
an dem, was sich heute Garten nennt. Denn
ich glaube kaum, daß wir schon ein Recht
haben, ohne weiteres zu behaupten, daß wir
nun wieder den Garten gefunden haben. Die
Richtung vermögen wir zu erkennen, nach
welcher seine Entwicklung strebt, und zwar
durch den Abstand, der uns von den Arbeiten
der letzten Jahre trennt.
Damals kam mit der neuen Auffassung der
Wille des Menschen wieder in den Garten.
Der Gegensatz gegenüber dem Naturgarten
wurde dadurch möglichst ausgeprägt, schon
um einer weiteren planlosen Entwicklung Einhalt
zu tun. Wir werden heute schon zugeben
müssen, daß durch dieses gewaltsame Eingreifen
, durch Anwendung von steifen, unbeholfenen
Formen viele Gartenwerte mit zertrümmert
wurden. Es war die Reaktion, die
eben allzugründlich aufräumte, die die Tradition
sogar verleugnete. Das Künstlertum, das
die neuen Anregungen vereint mit Gartenleuten
brachte, sah vor allen Dingen streng architektonisch
und wählte rein instinktiv auffällige
Vertreter in der Pflanzenwelt, die sich für
kubische und lineare Gestaltung eigneten.
Nachläufer und Interpretanten erfaßten dieses
wieder rein schematisch als viereckig, gerade,
geometrisch. Weiße Lattengestelle, viereckige
Pflanzenkasten, quadratische Wasserbecken
verkörpern diesen Typus zum Teil heute noch.
Diese Härten und Uebergangsformen haben
wir abzustreifen begonnen und arbeiten nun
ruhig und mit Ueberlegung an der weiteren
Entwicklung. Es wäre nun zu wünschen, daß
unsere Gartenarbeit noch mehr Verständnis
und Helfer fände, Menschen, die erkennen, was
wir ihnen mit unseren neuen Gärten geben
möchten. Es sind ja viele, die dem neuen
Garten wohl gesinnt sind und begeistert
aufgreifen, was irgend Neues auf diesem Gebiete
vor sich geht. Doch es fehlt meistens
ein kritisch sicheres Urteil, und sie werden
Dekorative Kunst. XVII. 5. Februar 1*14
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