http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0280
GUSTAV AMMAN N-ZUR ICH □ DER AUFGANG ZU DEN OBEREN TERRASSEN BEIM SCHLOSZLI ZOLLIKON
Ausführung: Otto Froebels Erben, Gartenarchitekten, Zürich
Herbstkleide prangt. Dann schweben Wolken
blauer, rosenroter und lilafarbener Blütensterne
der Astern über den Rabatten, während blaugrüne
und purpurfarbige Blätter von Rüben-
und Kohlarten die Flächen bilden.
Unterhalb der grauen Mauer, vor welcher
Nelken stehen, rings um die Büsche der Obstbäume
blüht es das ganze Jahr. Im Frühling
sind es Primeln, gelbe und braune und Schwertlilien
mit ihren zarten und satten Farbentönen,
im Sommer leuchtende Phloxe und im Spätjahr
, die schönste Pracht des ganzen Jahres,
Goldruten und Herbstastern. Hinter ihnen
reift das Obst; rotbackige Aepfel und goldige
Birnen schimmern durch bis an den Urngangs-
weg, ein Beispiel von Schönheitswerten in
Nutzgärten.
Im Schlößli Zollikon bedingte das stark abfallende
Gelände eine andere Behandlung. Es
wurden geräumige Terrassen und lange Promenaden
eingebaut, die den Garten ohne
Anstrengung benutzbar machten.
Gedanken an alte Mauern und Erinnerungen
an Schloßbauten mögen mit bewirkt haben, diese
Anlage repräsentativer zu gestalten. Noch ist
ja alles neu und jung. Im Blumenwege wird
der dunkle Körper des Buchsbaumes umringt
von gelben und blauen Stiefmütterchen. Drüben
vor der gegliederten Hecke blühen helle und
dunkle Rosen, die ein breiter, rosafarbener
Rosenstreifen zusammenhält. Zur blaugetönten
Bank im Hintergrunde passen diese Farben
gut. Das Gartenhaus beherrscht den Blumenweg
und die Terrasse. Von hier blickt man
hinab zum See und in den Kranz der Berge.
Auch hier liegt alles Neue im Rahmen alter
Bäume eingebettet. Ihre Massen brechen
alle jene Härten, die jeder junge Garten tragen
muß. Ueber den Steinbogen huschen die
Lichter und die Schatten dieser Pflanzen, die
bereits Ausdrucksformen haben, welche wir
so gerne allen unsern jungen Bäumen geben
möchten. Es bleibt uns dies versagt.
Vom Blütenmeer am Fuße der Terrassen
und anderm zu berichten muß ich mir für
später vorbehalten. Was Farben sind im Garten,
zeigen leider diese Bilder nicht, und doch
vermögen sie noch vieles zu ergänzen, was
selbst eingehende Beschreibung nicht ersetzen
kann. Gustav Ammann
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