Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 246
(PDF, 184 MB)
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emil orlik e. r.weisz kurt tuch kurt tuch

tapeten streifen □ für die .vereinigten werkstätten" ausgef. von adolph burchardt sohne, berlin

NEUE TAPETENMUSTER

In der Berliner Kunstgewerbe-Bibliothek
gab es kürzlich eine kleine Ausstellung von
Künstlertapeten. Eine Kollektion neuer Muster,
wie sie von Bruno Paul, Emil Orlik, E. R.
Weiss, Kurt Tuch, Alexander von Salzmann
, Ina von Kardorff u. a. für Adolph
Burchardt Söhne entworfen waren. Wirreproduzieren
einige dieser Entwürfe zusammen mit
ein paar neuen Tapeten von Erismann & Co.,
um wieder mit ein paar Proben darzulegen,
wie das neue Kunstgewerbe auch den Anforderungen
der letzten Strömung nach einem
großformatigen Blumendekor künstlerisch gerecht
zu werden vermag. Der Musterzeichner,
der haltlos und allzu oft auch gefühllos vor diese
Aufgabe und vor den Reichtum, den eine
frühere Zeit nach der Richtung hin entfaltet
hat, gestellt ist, wird notwendigerweise zu
einem nachahmenden Eklektiker, wenn ihm
die Künstlerschaft nicht den Halt bietet, der
allmählich auch im Ornamentalen zu einer
Stilkonvention zu führen vermag. Offensichtlich
ist es das Bestreben der Künstler, die Geste
des geschmackvoll Delikaten hervorzukehren
und auf alle Art zu verfeinern. Man spürt
das Bemühen, jeden theoretischen Ballast —

der manchmal auch ganz gute Dienste zu
leisten vermag — völlig abzustreifen, muntere,
heiter bewegte Flächenspiele aus einem gewählten
Geschmacksempfinden heraus zu entfalten
. Sie sind deshalb nicht wie etwa die
Flächenstücke eines Morris Dokumente eines
in seinen Zielen weitaus greifenden Artismus,
sondern haben keinen andern Ehrgeiz als eine
aparte Flächendekoration abzugeben, als den
passenden Hintergrund zu bilden für zierlich
nette Möbelchen. Sie sind daher zu verstehen
als Widerpart gegen die neue Handwerkskunst,
die jetzt von den Upper ten mit einem nicht
zu verkennenden Eifer begehrt wird, sind
folgerichtige Ergänzungen zu dem, was augenblicklich
in den Tischlerwerkstätten gemacht
wird. Wenn man es recht bedenkt, kann aber
solch Flächendekor, solch Tapetenmuster gar
nichts anderes sein wollen. Es würde sonst
ja, wenn es auf eigene Weise sich an das noch
immer ungelöste Problem dermodernen Flächendekoration
heranwagen wollte, die Idee der
einheitlichen Raumkunst sprengen. Darin, daß
diese Tapetenmuster sich über alles bemühen mit
dem augenblicklich „gängigen" Mobiliar übereinzustimmen
, ist ihr Wert zu suchen. p. w.

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