http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0301
ARCH. FELIX KRÜGER-KÖLN
HAUS WILDEN:TEEHAUSCHEN
WOHNHAUSBAUTEN VON FELIX KRÜGER-KÖLN
Die Kunst, wohnliche Wohnungen zu bauen,
ist in Deutschland noch nicht sehr alt.
Die pompösen Dekorationen der deutschen
Renaissance und die unkünstlerischen Künsteleien
des Jugendstils hatten unsere Innenraum-
meister vom Ziele abgedrängt. Erst im letzten
Jahrzehnt ist man ruhiger und sachlicher geworden
. Fern von aller Verstiegenheit will man
aus dem Bedürfnis heraus einfach, zweckmäßig
und materialecht schaffen. Statt einer malerischen
Gruppierung der Räume sucht man strengere
geometrische Gliederung. Die Schönheit
wird nicht mehr in buntem und kostspieligem
Aufputz gesucht, vielmehr soll der Architekt die
notwendigen Räume mit Geschmack gut ordnen,
in den Verhältnissen glücklich abstimmen und
in den Farben richtig steigern. Darum wird der
gute moderne Architekt nicht teuerer bauen,
als irgendein Bauunternehmer. Was etwa an
erhöhten Anschaffungskosten sich ergibt, wird
auf die Dauer ausgeglichen durch geringere
Unterhaltungs- und Erneuerungskosten infolge
besserer Qualität des Materials. Voraussetzung
ist freilich, daß der bauleitende Künstler mit
peinlicher Sorgfalt die Durchbildung bis ins
einzelne überwacht und überall die Wirtschaftlichkeit
und die Schönheit gleichermaßen im
Auge behält. Zu den Baukünstlern dieser Klasse
gehört Felix Krüger.
Das Haus, das er für Rechtsanwalt Dr. Wilden
in Hauset bei Aachen errichtet hat, liegt
jenseits des Aachener Waldes, auf einem vorgelagerten
Höhenzuge, mit dem Blick in die
Eupener Ebene und darüber hinaus auf die
Nordabhänge der Eifel. Hier hatte der Besitzer
mit sicherem Griffe sich einen Platz an
der Sonne gesichert und damit den Grund
zu einer Waldkolonie gelegt, die sich, fern
von Stadt und Dorf, in völliger Freiheit entwickeln
wird. Es war zweifellos eine dankbare
Aufgabe, die Vorzüge dieser Lage auszunutzen
und hier ein geräumiges, wenn auch nur für
den Sommeraufenthalt bestimmtes Gebäude zu
schaffen. Das etwa sieben Morgen große Terrain
zieht sich auf der Höhe des Rückens an der
Landstraße hin und fällt von da allmählich zum
Tale ab. Durch Anschüttungen ließ sich auf der
Höhe eine langgestreckte Terrasse herstellen,
an deren Westende das Herrenhaus steht. Es
hätte nahe gelegen, die Fassade parallel der
Hauseter Landstraße zu entwickeln. Aus klimatischen
Gründen aber zog man es vor, sie
nach Osten zu richten, damit die geschlossene
Rückseite den herrschenden Weststürmen Trotz
Dekorative Kunst. XVII. 6. März 1914
249
32
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0301