Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 265
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HANS SCHMITHALS-MÜNCHEN

HANDGEKNUPFTER TEPPICH (1908)

ARBEITEN VON HANS SCHMITHALS

I

n einer aparten kleinen Ausstellung des
„Verbandes für Raumkunst" hat dieser
Münchner Künstler, der bereits in der Ausstellung
„München 1908" glücklich hervortrat,
neuerdings der Oeffentlichkeit Proben eines
vielseitigen Wollens und einer originalen Begabung
gewiesen. Die ganze Gruppe, deren
weitere Arbeiten an dieser Stelle noch gezeigt
werden sollen, möchte nicht eigentlich das,
was man heute vielfach unter modernem Münchner
Kunstgewerbe versteht: eine nette, marktgängige
Ware, die eine gewisse Ermüdung der
formalen Erfindungskraft durch geschmackvolle
Einfälle von dekorativen Einzelheiten mehr
oder minder glücklich verbirgt. Man möchte
in jener Gruppe die freudige Reformbewegung
der neunziger Jahre mit Hilfe der inzwischen
gewonnenen besseren technischen Schulung
fortführen. Man erstrebt das persönlich gestaltete
Einzelstück für sehr differenzierte Kulturbedürfnisse
.

Die kleine Ausstellung vom Herbst 1913
erhielt ihre räumliche Gesamtstimmung durch
die großen Knüpfteppiche von Schmithals, von
denen wir heute eine Anzahl im Bilde zeigen.
Die vornehme Pracht ihrer gedämpften Farben,
ihre eigentümliche und reiche Ornamentik
wirken vortrefflich. Sie weichen dabei beträchtlich
ab von dem, was uns im Lauf der letzten

Jahre an deutschen Teppichen gezeigt wurde.
Gibt es denn überhaupt so etwas wie einen
„deutschen Teppich"?

In der Vergangenheit kaum. Die Geschichte
meldet von der Einfuhr orientalischer Teppiche
über die alten Handelsplätze des Mittelalters.
Venedig vor allem schmückt sich verschwenderisch
auch mit diesen Gaben des Morgenlandes.
In Brüssel gedeiht um 1500 eine bodenständige
Teppichweberei, die dann später von Ludwig
XIV. nach Paris gezogen wird. Von hier
aus erobert sich der französische Wandteppich
die vornehme Welt Europas. In Holland entwickelt
sich gleichzeitig mit der Blüte der
Malerei ein ausgebildeter Sinn für die delikaten
Farbenwirkungen des Teppichs, entsteht gleichfalls
eine blühende Manufaktur. Ja, man hat
gesagt, daß diese Teppichliebhaberei hier wie
in Venedig eine Kultur des Auges nach sich
gezogen habe, die für das Gedeihen der Malerei
teils von guten, teils aber auch von schlechten
Folgen gewesen sei.

Und Deutschland? Es handelte, solange es
Geld hatte, schöne Stücke ein aus Morgen-
und Abendland, aber eine eigene Manufaktur,
abgesehen von der bescheidenen Handarbeit
fürs Haus, entwickelte sich in der älteren Zeit
nur sehr spärlich. Erst im letzten Jahrhundert
bekamen wir eine Teppich-Industrie, die bis

Dekorative Kunst. XVII. 6. März 1914

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