Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 286
(PDF, 184 MB)
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PAPIERMESSER AUS EBENHOLZ, WOLKIGER BERNSTEINGRIFF M. VERGOLDETER SILBERFASSUNG U. CHRYSOPRASEN

ENTWURF UND AUSFÜHRUNG: MORITZ STUMPF & SOHN, DANZIG

MODERNE BERNSTEIN-ARBEITEN

S'

chmuckmaterialien sind wie die Schmuckformen
dem Wechsel des Zeitgeschmacks
unterworfen. Eine einzige Ausnahme macht
wohl der Bernstein, dessen Beliebtheit bis in
vorgeschichtliche Zeiten zurückreicht. Zwar
hatte auch er unter den Wechselfällen der Mode
zu leiden; ganz unterbrochen indes war seine
Verwendung niemals. In den Anfängen des
Kunstgewerbes, als der Mensch noch mit primitiven
Werkzeugen sich behelfen mußte, war
selbstverständlich an eine Bearbeitung, die alle
seine künstlerischen Reize hätte zur Geltung
bringen können, nicht zu denken. Man schätzte
wohl nur das Material als solches, auch mögen
ihm mystische Kräfte zugeschrieben worden
sein. Den Höhepunkt erreicht seine Geschichte
im 17. und 18. Jahrhundert. Die Arbeiten der
Danzigerund Dresdener Künstler dieser Epoche
haben an Feinheit der Technik
und an künstlerischem
Geschmack in Form und
Farbenwahl weder vorher
noch nachher ihresgleichen
gefunden. Noch heute stehen
wir mit Bewunderung vor
jenen Erzeugnissen eines
unübertroffenen Verständnisses
für die Eigenart und
Schönheit dieses Materials.

In der erfindungsarmen
und stilnachbildenden Epoche
, die etwa um die Mitte
des 19. Jahrhunderts einsetzt
und erst kurz vor der
Wende des Jahrhunderts
Ansätze zu einer hoffnungsreichen
, neuen Blüte des
Kunstgewerbes zeitigte, war
der Sinn für nach künstlerischen
Grundsätzen gestaltete
Schmucksachen verloren
gegangen. Es war
eine Zeit der Materialver-

BERN STEIN PETSCHAFT MIT CHRYSOPRASEN
□ MORITZ STUMPF & SOHN, DANZIG

geudung, deren größter Stolz das Prunken mit
gehäuften Massen war. Wenn die Unkultur dieser
schnell reich gewordenen Jahrzehnte ihrem
Ende entgegenzugehen bestimmt scheint, so
hängt diese Veränderung des Geschmacks
nicht zuletzt mit der Neubildung und Verfeinerung
des Formen- und Farbenempfindens
zusammen. Die Halbedelsteine, die von der
mit rohen Effekten arbeitenden Industrie in
unverschuldeten Mißkredit gebracht waren, vereinigen
sich unter der Hand des Künstlers
mit dem tiefen und lichten Glanz edler Metalle
zu Farbensymphonien, die dem Auge ein Erlebnis
werden.

Noch vor wenigen Jahren hatte die deutsche
Goldschmiedekunst seltsamerweise den deutschesten
aller Schmucksteine, den Bernstein,
so gut wie ganz vergessen. Erst als die dänischen
Kunsthandwerker auf
das „Gold des Nordens" aufmerksam
gemacht hatten,
gingen auch unseren Künstlern
die Augen wieder auf
für seine farbigen Reize,
und was noch gestern mit
einem Achselzucken als alt-
väterisch abgetan wurde,
war über Nacht „modern"
geworden und wurde fieberhaft
begehrt. Selbstverständlich
war auch sofort
eine skrupellose Industrie
auf dem Plan mit Fälschungen
und Surrogaten, um die
„Konjunktur" auszunutzen.
Doch vermögen alle diese
Simili-Fabrikate ihrem edlen
Vorbild nicht in seiner
Schönheit nahezukommen.

So verbreitet die Bernsteinmode
ist, es ist auffallend
, wie wenig künstlerische
Arbeiten es gibt.

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