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DER DEUTSCHE VOLKSPARK DER ZUKUNFT*)
Laubengärten und Spielplatzflächen sind unse-
j res Volkes ureigenster Besitz. Die Stadt
des Mittelalters zeigt uns das heute noch deutlich
. In ihrem Innern barg sie keine eigentlichen
Grünanlagen, wohl Gärten, die aber der
engen festungsartigen Bebauung wegen nicht
groß waren. Eigentlich nur Gartenhöfe mit
mehr oder weniger großen Bäumen, mit Blumen
und wenigen Ziersträuchern. Erst draußen vor
den Toren lagen die eigentlichen Nutzgärten
mit ihren Gartenlauben. Wer wohlhabend war,
*) Unter diesem Titel hat HARRY MAASZ, den
die Stadt Lübeck vor kurzem zur Leitung ihres
Gartenwesens berief, in einer mit Planskizzen und
perspektivischen Zeichnungen versehenen Broschüre
außerordentlich interessante Anregungen für die
Erweiterung und rhythmische Gestaltung städtischer
Laubenkolonien gegeben. Bei der großen sozialen
Bedeutung, welche die Kleingärten für alle Gemeinden
, vor allem auch für die neu entstehenden Gartenstädte
haben, in denen die gärtnerischen Anlagen
meist recht vernachlässigt sind, weisen wir auf
seine von Weitblick und praktischer Erkenntnis zeugenden
Vorschläge nachdrücklich hin. Um von der
Idee und den Zielen des Verfassers einen Begriff
zu geben, drucken wir ein paar kurze Abschnitte
aus der Broschüre und einzelne Skizzen zu ihrer
Erläuterung ab und empfehlen das kleine Büchlein
allen, die an solch kulturellen Fragen Interesse
haben. Daß der Verfasser durch die Gegenüberstellung
der Anlagekosten und der zu erwartenden
Einnahmen auch ausführliche Rentabilitätsberechnungen
beigefügt hat, erhöht den Wert seiner Vorschläge
. (Trowitzsch&Sohn,Frankfurt a. O. 1.80M.)
baute sich auch wohl ein großes Gartenhaus
dahinein, um darin den Sommer zu verleben
und zu Beginn der kalten Jahreszeit wieder
in die Stadtmauern zu ziehen. Der minderbegüterte
Bürger hatte sein kleines Gärtchen
mit Obst und Gemüsen, mit Gartenhäuschen
und Laube. Hier draußen vor den Toren lag
auch die Volkswiese, die Freiweide für des
Bürgers Vieh. Viele Städte, die ihre althergebrachten
Festlichkeiten bewahrten, bewahrten
unbewußt auch diese Grünflächen vor den Toren
vor der Bebauung. Ein Teil dieser Städte kann
sich rühmen, heute noch in deren Besitz zu
sein, denn die in späteren Tagen einsetzende
Bebauung begann erst an deren Peripherie.
Wer Hamburgs Dammtorwiesen betrachtet, ist
entzückt, Lübecks Burgfeld und Mühlentorbrink
sind ohne gleichen und waren schon lange Zeit
vor der Erkenntnis des Wertes der amerikanischen
Parksysteme rechte und echte Volksparks
, Volkstummelplätze schon zu mittelalterlicher
Zeit.--
Schon der flüchtige Rückblick auf das mittelalterlich
-deutsche Gartenleben läßt leise erkennen
, welche Richtung wir einzuschlagen
haben, den Wünschen des gartenhungernden
Volkes gerecht zu werden. Scharf und unverkennbar
aber vernehmen wir's aus den
Laubenkolonien, die heute die Stadt und Großstadt
umsäumen, deren sich in nicht hoch genug
einzuschätzender Volksfreundlichkeit die
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