http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0401
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noch beängstigend gegenwärtig im Ohr, was
Jj einmal ein bekannter Buchgraphiker sagte:
^ „Wenn ich in München geblieben wäre, dann
Ö wäre meine ganze Kunst ein einziger riesiger
y Schnörkel geworden." In solchen Uebertrei-
( bungen steckt doch auch ein Körnchen Wahr-
i heit. Man muß zwar die glänzende dekorative
( Begabung Münchens anerkennen, aber es ist
i) sicher, daß sie sich in den Kreisen der ernst-
5 haftesten Kulturbeurteiler unserer Zeit keiner
) besonderen Wertschätzung erfreut, weil man
) in ihr den Ausdruck der Strenge und des
) Ernstes unseres Jahrhunderts völlig vermißt.
) Von dieser heiteren Dekorationskunst, einem
( Ausläufer der Gedon-Zeit, der Münchner
v Neu-Renaissance und der üppigen Künstler-
( feste, ist aber ein großer Teil unseres Kunst-
) gewerbes, besonders drastisch die ältere Gold-
) schmiedekunst und auch die Möbeltischlerei
) der kleineren Meister, noch so völlig durch-
) drungen und so unrettbar überzeugt, daß sich
( eine Belehrung und Warnung auf diesem Ge-
\ biete als dringend notwendig erweist. Der
( Bayerische Kunstgewerbeverein, der ja selbst
\ von der Münchner Neu-Renaissance herkommt,
( hat zwar durch manches schöne Vorbild, bei
1 dessen Konzeption ihm Künstler zur Seite
) standen, gezeigt, daß es auch noch andere
) Wege gibt, aber eigentlich hat doch erst der
) „Münchner Bund" den Kampf gegen den
| Münchner Schnörkel aufgenommen, hauptsäch-
: lieh dadurch, daß er mit schlichten, ganz auf
( Materialwirkung eingestellten Entwürfen vor
\ allem der Massenproduktion, der Kunstindu-
J strie, wo die schlimmsten Zustände herrsch-
) ten, zu helfen suchte.
) Daraus hat man nun leider dieser Gruppe
) den Vorwurf gemacht, sie sei die Vertreterin
) einer bestimmten Stilrichtung, sie sei intole-
/ rant gegen alles, was nicht „Utilitätsstil" heißt.
; Dagegen ist aber zu sagen, daß sowohl die
( Arbeiten, die durch die Vermittlungsstelle des
) „Bundes" gingen, als auch viele der Gegen-
) stände, die sich in der Muster- und Vorbilder-
) Sammlung des „Münchner Bundes" befinden,
J weit entfernt sind von kaltem Zweckstil, und
) daß sich in den Reihen seiner Mitglieder viele
J hervorragende Führer eines reichen, mit Orna-
i menten und Dekor arbeitenden Stils befinden.
( Freilich haben diese Künstler erkannt, daß die
( Dekoration nicht Selbstzweck sein darf, daß
j sie die Konstruktion nicht überwuchern und
) nicht verschleiern darf, und daß sie nicht
) immer und überall am Platze ist, namentlich
) nicht bei den Erzeugnissen der sogenannten
/ „Kunstindustrie", die ja gerade ein gern ge-
J pflegtes, weil quantitativ besonders bedeutungs-
I volles Arbeitsgebiet des „Bundes" ist.
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