http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0406
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zu erwerben glaubt, ist nichts getan. Alle )
Das wäre zu überlegen, doch dürfte sich daraus
keine Abhängigkeit der Münchner Qualitätsmesse
von den jeweiligen Ausstellungsplänen
ergeben. Man sieht: ernste Aussprachen
sind nötig, mit der Verzettelung der Kräfte
in der Tagespresse, die sich damit Verdienste
schöpferischen und kritischen, künstlerischen
und wirtschaftlichen, gewerblichen und industriellen
Kräfte müssen zusammenwirken, damit
man uns nicht von unserem Platz verdrängt
. Georg Jacob Wolf
AUSSTELLUNG „GUT UND BÖSE" IN OFFENBACH A. M.
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Mit der Gegenüberstellung von Beispiel und Gegenbeispiel
in Abbildungen hat schon vor längerer
Zeit Paul Schultze-Naumburg begonnen. Prof.
Gustav Pazaurek hat dann die „Geschmacksverirrungen
" systematisch in einer Abteilung seines
Museums in Stuttgart zusammengestellt. Zu didaktischen
Zwecken aber eine Gegenüberstellung guter
und schlechter Gebrauchsgegenstände in einer
Ausstellung durchzuführen, ist unseres Wissens zuerst
in der Mannheimer Kunsthalle vor einigen Monaten
unternommen worden, und ihr folgend dann in erweitertem
Umfange in der Offenbacher Ausstellung
„Gut und Böse". Der Zweck ist ein
lehrhafter, und darum war auch größte Deutlichkeit
am Platze. So sind denn in langen Reihen die
guten und die bösen Geister unserer Geräte einander
gegenübergestellt, nach Gebrauchskategorien
geordnet und so, daß jeweils genau über dem minderwertigen
das geschmackvolle Beispiel desselben
Gegenstandes zu sehen ist. Beischriften zu
jedem einzelnen Stück sorgen für rasche und unbedingte
Aufklärung, und den Schlüssel zur Grundidee
des Ganzen gibt eine kleine Einführung, in
der es etwa heißt, daß Surrogat und Nachahmung
alter Stile und anderer Materialien, zweckwidrige
Dekorierung und Verkitschung in dumme Scherze
die Hauptsünden der minderwertigen Gerätschaften
, Luxusgegenstände und Möbel seien, und daß
die Grundlage schöner Gebrauchsgegenstände vor
allem in diesen dreien liege: zuverlässige Zweckdienlichkeit
, Qualität der Arbeit und Schönheit des
Materials. Erst auf diesem Unterbau von Solidität
haben dann unsere Künstler die schöne Form
und das edle Ornament schaffen können. Beides
ist in gleicher Weise betont, die materialgerechte
Schlichtheit und die Künstlerform. Und zu rühmen
ist, daß erst durch die nie rastende Tätigkeit
unserer Kunstgewerbler, Werkstätten und Fabriken
der Gedanke einer derartigen Ausstellung entstehen
und siegreich durchgeführt werden konnte.
Zu der Ausstellung „Gut und Böse" hat an Leder-
und Metallwaren die Offenbacher Industrie Vortreffliches
beigesteuert, und zwei Klassen der Technischen
Lehranstalten gaben ein Beispiel glänzender
Dekorationskunst. Die eine ist die Malerklasse
des Münchners Throll, die prächtige Wandmalereien
in verschiedenartigen reizvollen Techniken
, Figürliches und Ornamentales geschaffen hat,
die andere die der Wienerin M. vogl, die farbige,
lustige Stickereien und Spitzen ausstellte. p.f.s.
walter teutsch-münchen
batikarbeit auf seide
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