Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 345
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STILLEBEN, ARRANGIERT VON I. K. H. FRAU PRINZESSIN AUGUST WILHELM VON PREUSZEN

DER „STRAUSZ"

ZU DER AUSSTELLUNG DER „VEREINIGTEN WERKSTÄTTEN", BERLIN

Der Zufall will es, daß ich in Paris, der
Stadt des grand chic, des weltstädtischen
Geschmacks, über meine Eindrücke von dieser
in dem Berliner Haus der „Vereinigten
Werkstätten" arrangierten Strauß-Aus Stellung
zu schreiben habe. Eine diffizile Aufgabe
, wenn man vom Louvre kommt und vor
sich eine jener Revuen hat, in denen, wie die
Boulevard-Blätter versichern, einen 300 neue
Kostüme von Paquin, von Jenny, Hüte von
Lewis usw. erwarten! Man spricht nicht von
dem Esprit der Autoren, nicht von dem Talent
des Schauspielers, man ist entzückt von dem
Chic, den Frauen zur Schau tragen. Superb
das alles, was die Frau an sich und um sich
hat. Aber über das hinaus ist man mehr als
gleichgültig. Eine Ausstattungskunst, um die
wir uns mit so viel Eifer bemühen, kennt der
Boulevard nicht. Ich sitze in einem der großen
Cafes in der Nähe der Oper, das als elegant,
als chic berühmt ist. Für unsere Begriffe ist
es mit seinen Spiegelwänden, seinen bronzierten
Stucksäulen, seinen farblosen Rokokomalereien
vieux jeu. Unsere Cafes aus den 80er Jahren:

Bauer in Berlin, das Luitpold in München sind
künstlerisch weiter. An Blumen gibt es hier
über den Lehnen der roten Plüschsofas Palmen
, wie wir sie längst aus unseren Räumen
hinausgetan haben, Palmen in Steinguttöpfen,
wie sie bei uns in den Vorstadtbasars schon
nicht mehr verkauft werden.

Man fragt sich unwillkürlich, wie würde die
Pariserin eine Ausstellung arrangieren, wie
sie in Berlin gezeigt worden ist. Vermutlich
wird sie für ein solches Exerzitium des guten
Geschmacks weder Sinn noch Verständnis
haben. Aber wenn es ihr einmal einfallen
könnte, Blumen zu nehmen und sie nach ihrem
Sinn zu arrangieren, es würde vermutlich etwas
überraschend Schönes zustande kommen.
Sie hat keine Ahnung von Problemen, die für
uns in derlei Angelegenheiten stecken; aber
sie hat so viel selbstverständlichen Chic, daß
ihr wahrscheinlich auch für unsere Begriffe
Erstaunliches gelingen würde.

Wohingegen es unser Schicksal ist, immer
noch recht, recht weit von dieser Selbstverständlichkeit
entfernt zu sein. Bei uns ist

Dekorative Kunst. XVII. 8. Mai 1914

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