http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_30_1914/0422
ALFRED SODER
solche, die im Betrachten von Exlibris einige
Uebung haben. Zu bemängeln wäre vielleicht
nur, daß die Ausführung, entgegen dem deko-
rativ-flächenhaften Markencharakter des echten
Gebrauchsexlibris, fast immer zu realistischdetailliert
und zu bildmäßig ist. Aber diesen
Fehler teilen die Exlibris Soders mit den meisten
modernen Luxusexlibris; und sie gleichen
dieses Manko reichlich wieder aus durch technische
und künstlerische Qualitäten, die aus
diesen Arbeiten Kleinodien einer intimen, behaglich
ins Detail gehenden Radierkunst machen.
Nur selten fehlen auf den Exlibris Soders
EXLIBRIS
seine geliebten und auch in der Tat höchst
liebenswerten Kinderakte. Alle möglichen Funktionen
haben diese putzigen, molligen, nackten
Bübchen und Mägdlein zu verrichten. Sie reiten,
als Amoretten, auf Pferden oder Rindern, repräsentieren
sich selbst, das Kindesalter, das
erwachende, junge, unberührte Leben, spielen
einzeln und in Gruppen, mit sich, mit Blumen,
Schmetterlingen usw. oder tanzen, wie Mücken,
um Brunnen, in den Wolken oder auf dem
Fond eines Blumenkranzes. Blumen scheinen
Soder, nächst den Putten, am meisten ans
Herz gewachsen zu sein. Und er versteht sie
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