Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 373
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FL. JESSIE HÖSEL

NADELMALEREI

DIE STICKERIN FLORENCE JESSIE HÖSEL

Offen gesagt, wir sind jetzt wieder so weit,
das Talent, das sich an wohl ornamentierten
Stickereien bekundet, ins Haus, ins
Bereich des geschmackvoll dilettierenden Ama-
teurtums zu verweisen. Die Tage eines Obrist,
da in einer Stickerei sich eine kühne Gestaltungsenergie
, ein Stück eigener Weltanschauung
offenbarte, sind vorüber. Erbe war der gute
Geschmack, der wie unzählige Stickerinnen
beweisen, sich wieder durchgesetzt hat und
von dem, wenn er nicht mehr Ausnahmeerscheinung
ist, nicht viel Aufhebens zu machen
ist. Es soll gewiß nicht bestritten werden,
daß sich innerhalb dieser Frauenkunst sehr
viel individuelles Geschick darbietet. Bestickte
Kissen, Kleider, Tischdecken, Vorhänge, Wandbilder
, Pompadours werden von gut erzogenen
Händen, die nicht wenig Sinn für Techniken,
für Materiale und Farbreize haben, gefertigt.
Es gibt fast an jedem dieser Dinge ein paar
eigene Reize zu bewundern; aber diese Bewunderung
ist Sache des Alltags, ist eine private
Angelegenheit der Amateure, die sich so apart
betätigen, oder der Leute, die heutzutage aus
Mangel an Zeit oder Fertigkeit derlei Handarbeiten
zu kaufen pflegen.

Für uns kann es bei der erfreulichen Feststellung
des erreichten Niveaus bleiben. Unser
mehr künstlerisches Interesse mag sich wiederum
mehr den ganz Wenigen zuwenden, die
auf so friedsamem Gebiet Intuition und eigenwillige
Persönlichkeit auswirken. Und es giebt
hier ein paar wirkliche Künstlerinnen, die
leider mehr als recht verschwinden zwischen
der Fülle der betriebsamen Niveautalente. Eine
so schätzbare Natur ist die Florence Jessie
Hösel, an deren guten Gaben unsere Zeit
mit sträflicher Achtlosigkeit vorbeiläuft. Für
kunstfreudige Menschen, die in sich mehr als
einen platonischen Eifer verspüren, wäre da
eine Gelegenheit, mancherlei gut zu machen.. ..

Was ist es um diese Kunst? Die Hösel
stickt Landschaftsstimmungen, wie sie sie
in Schottland, ihrer Heimat, oder dem Grunewald
erlebt: Bildchen mit Mondenschein, mit
Sonnenaufgang, mit Bäumchen im Regen und
Wind. Also ein abgewirtschaftetes Genre,
Butzenscheibenmotive, mit denen wir glücklicherweise
kraft unserer modernen Bewegung
aufgeräumt haben. Es läßt sich nicht leugnen,
dem Motiv nach gehören diese Höselschen
Stickereien zu jener Bildchenkunst, vor der

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