Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 425
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M. GOOSSENS U. JOH. BIEHLER-MÜNCHEN □ MAJOLIKA-RELIEF: EILIGE FAHRT

MAJOLIKEN VON GOOSSENS-BIEHLER

Es ereignet sich in unseren Tagen nur mehr
äußerst selten, daß ein Künstler, der seine
Tätigkeit der angewandten Kunst zukehrt, den
Werdeprozeß seiner Schöpfungen vom ersten
Bleistiftstrich der Entwurfsskizze bis zur letzten
Handreichung des fertigen Werkes selbst bewirkt
, daß er Künstler, Handwerker und —
das „harte Wort" ist nicht zu vermeiden —
Kaufmann in einer Person ist. Einstmals, als
die Grenze zwischen Künstler und Handwerker
noch flüssiger war als heute, als es ein Künstler
nicht übelnahm und nicht unter seiner
Würde hielt, in den Zunftregistern der Handwerker
zu stehen, und als es auch dem Handwerker
ganz selbstverständlich schien, daß er
in seiner Art ein Künstler war, galt dieser
Werdegang des kunstgewerblichen Gegenstands,
des Schmucks, des Möbels, des Gefäßes als
der natürliche. Wir leben indessen im Zeitalter
der Spezialisten, der Differenzierungen
und der Arbeitsteilung — einer Aufteilung
der Funktionen, die zumal in gewerblichen
Betrieben geradezu nach den Gesetzen der
Maschinen sich vollzieht und zu geisttötender
Einförmigkeit der geforderten Arbeitsleistungen
führt.

Da freut man sich, wenn einem einmal ein
echter Künstler begegnet, der seine Entwürfe
selbst ausführt, der über seinem Werke wacht,
bis es, in der Kiste verpackt, in die Welt geht.

Und die Freude wächst zum Erstaunen und
zur Bewunderung, wenn es sich dabei nicht
um jemand handelt, der etwa nur schöne Kinderhäubchen
mit der Maschine nach eigenen
Entwürfen bestickt oder seine Kleinbronzen
selbst gießt und ziseliert oder Elfenbein schneidet
und ähnliches, was sich mit genügender manueller
Geschicklichkeit und ohne besonders
schwierigen technischen Apparat bewirken läßt,
sondern wenn — wie es bei den in inniger,
in den Arbeitsphasen ineinandergreifender
Arbeitsgemeinschaft wirkenden Künstlerinnen
Minnie Goossens und Johanna Biehler der
Fall ist — eine so schwierige Herstellungstechnik
wie Keramik in Frage kommt, und
wenn aus den Ateliers und Werkstätten riesige
Majoliken, Prachtstücke auch der technischen
Vollendung, hervorgehen. Die beiden Künstlerinnen
, die in München wirken, haben buchstäblich
um den Brennofen, in dem Temperaturen
bis über 1000 Grad erzielt werden, ihr
Heim und ihre Arbeitsstätten gebaut; in tiefen
Gruben altert ausgezeichneter Ton, und ein
Maurer ist zur Hand, den Ofen zuzubauen,
wenn die neuen Werke gebrannt werden. Dabei
handelt es sich bei den Arbeiten von
Goossens-Biehler keineswegs um industrielle
Leistungen. Die Künstlerinnen, mit reicher
Bildkraft ausgestattet und mit quellender Fülle
der Gesichte, wollen von jeder ihrer Schöpfungen

Dekorative Kunst. XVII. 9. Juni 1914

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