Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 470
(PDF, 184 MB)
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ARCH. JOSEF HOFFMANN-WIEN

Hauses entspricht auch die übersichtliche Anlage
der Innenräume. Vier von ihnen wollen,
jeder für sich, als Ganzes genommen und bewertet
sein. Sie liegen hintereinander im linken
Flügel. Sie sollen wohl die Abfolge eines bildnerischen
, eines architektonischen, eines malerischen
und endlich eines kunstgewerblichen
Raumes ergeben. Diese Absicht haben sie auch
mit vollkommener Anschaulichkeit, wenn auch
mit verschiedenwertiger Kunst erreicht. Der
bildnerisch bestimmte Empfangsraum Professor
Strnads lebt von einer strengen, schlanken
Linie, die er durch die leichte, zarte Zweigornamentik
des Wandbelages bewegt und entlastet
. Die expressionistischen Skulpturen sind
mißraten, wir vermögen diesen gequälten Linien
keine tiefer erregte Ursache und keine edlere
Ausdrucksfähigkeit beizumessen. Nur Hanaks
betende Frauenfigur hatdie Sprache der Künstlerandacht
, die den Raum stützt. Dagegen fehlt
uns die Erklärung für die Beweggründe, die
die Veranstalter veranlaßt haben, derart belanglosen
und ärgerlichen Bilderschmuck gerade
diesem Interieur zuzuweisen, dessen
malerische Ausstattung durch die Arbeit des
Architekten ohnedies aufs engste umschrieben

AUS DEM EMPFANGSZIMMER (vgl. S. 471)

war. Hier hätten die stilisierenden Talente der
Österreichischen jugend einrücken müssen. Aber
wie die Auswahl ausfiel, gefährdet sie geradezu
den schönen Raum und bringt ihn aus
dem Gleichgewicht.

Ein vollkommenes Meisterwerk ist Josef
Hoffmanns Empfangsraum. Das ist nahezu
Darstellung architektonischer Gesetzmäßigkeit.
Die Gliederung einfach und kräftig wie das
Spiel der schwarzen und weißen Wandteile,
die Verhältnisse von Flächen und Körpern wohl
erwogen, das Ganze von besonnener, eindringlicher
Sprache. Derarchaistische Reliefschmuck
Leo Blonders kommt den Absichten des
Raumkünstlers prächtig entgegen, das schön
geschnitzte Möbel aus schwarz poliertem Birn-
holz zeigt die klare Körperlichkeit der Meisterhand
, die Stoffbespannung der „Wiener Werkstätte
" hält in Linie und Farbe den Schritt mit
dem Rhythmus der durchaus übergeordneten
Raumdarstellung. Nirgend fühlt man so stark
wie hier den bezwingenden und regierenden
Willen eines Künstlers, der die Einheit herbeiführt
.

Schlank, fast überschlank ist die Linie Dagobert
Peches, der im Damen-Boudoir das

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