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THEODOR KÄRNER
DACKEL UND FUCHS
NYMPHENBURGER PORZELLAN
Wenn man die Nymphenburger Schloßanlage
unbefangen betrachtet, die vornehme
, charaktervolle Fassade hinter den so
fein ersonnenen Baumreihen und Wasserläufen,
ein Schulbeispiel geschmackvoller Hofkunst,
da wird einem wohl nie der Gedanke kommen,
daß hinter den schön geschwungenen grauen
Mauern irgendwo eine industrielle Anlage verborgen
sei. Und doch, kommt man durch ein
Tor, das man freilich kennen muß, um es nicht
zu verfehlen, dann ist man plötzlich in einer
richtigen Porzellanfabrik
, einem ganz modernen
Betrieb, der
aber zum größten Teil
in alten Räumen unter-
gebrachtist. Diese Verbindung
ist wohl nur
beim Porzellan möglich
. Auch in Meißen
gibt es so stille Höfe,
daß man sich in einem
Kloster wähnen könnte,
fehlte nicht der Kreuzgang
, und wenn man in
Berlin zwischen Bäumen
und Büschen zum
eigentlichen Fabrikgebäude
vorgedrungen
ist, dann braucht man
immer noch nicht zu
merken, daß hier viele
Hunderte von Arbeitern
tätig sind und
im Bunde mit Dampf
und Feuer schaffen.
THEODOR KARNER JUNGER BERNHARDINER
Ausführung: Kgl. Porzellan-Manufaktur Nymphenburg
Mag aber auch manche Aeußerlichkeit ähnlich
sein, im wesentlichen unterscheidet sich
Nymphenburg deutlich von den beiden andern
deutschen Staatsmanufakturen. So eng ihre
Lage die Manufaktur mit dem Königsschloß
verbindet, so frei und unabhängig ist ihre Leitung
. Weder der Kunstgeschmack eines Herrschers
noch die Rücksichten auf die Staatsfinanzen
haben hier einen bestimmenden Einfluß
. Der wohltemperierte Geschmack des Leiters
der Nymphenburger Porzellan-Manufaktur,
Albert Bäuml, weiß
gute alte Tradition mit
dem Kunstwollen unserer
Zeit so innig zu
verbinden, daß man
keinen äußerlichen
Zwang,keinen Rißzwi-
schen gestern und heute
, keine durch eine
Welt getrennten Abteilungen
von Repräsentationskunst
, Verkaufsware
und neuesten,
allerneuesten Ausstellungsstücken
bemerken
kann. Was unsere
Privatfabriken so stark
macht, ihre einheitliche
, zielbewußte, von
Bureaukratie und Instanzenweg
nicht gelähmte
Führung, das
kommt auch dieser
Staatsmanufaktur zugute
. Sie ist eines
Dekorative Kunst. XVII. n. August 1914
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