Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 30. Band.1914
Seite: 558
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LUDWIG, VON HOFMANN-WEIMAR □ WANDGEMÄLDE IM WANDELGANG DES WERKBUND-THEATERS

DAS WERKBUND-THEATER HENRY VAN DE VELDES

Das Theater Henry van de Veldes leidet recht
erheblich an dem Hauptgebrechen der
Werkbund-Ausstellung überhaupt: an der durchaus
verfehlten Situationsgebung. Das annähernde
Platzviereck vor dem Bauwerk ist kein Platz,
weder im gebundenen architektonischen Sinne,
noch in dem lebhafter malerischer Bewegung,
noch endlich in der aufgeschlossenen Art landschaftlich
bestimmter Freiräume. Von jeder
dieser Typen entlehnt er Elemente, aber er
verbindet sie zu einer verworrenen Mischung,
die keinen starken und eindeutigen Eindruck
aufkommen läßt, das Auge irritiert statt zu
fesseln und zuletzt eine unbefriedigte Stimmung
ratloser Unruhe herbeiführt. Und doch schienen
Struktur und Liniensprache dieses Theaterbaues
ein in sich geschlossenes, nah umgrenztes
Platzgebilde ganz deutlich zu verlangen,
in dem die aufs Intime gerichtete äußere Bauform
erst zu reicher und voller Geltung gekommen
wäre. So aber bietet sich in den beiden
Raumlöchern zu beiden Seiten der Auffahrt
das Gerippe der Bauteile dermaßen nackt,
ungemildert und unvermittelt dar, daß jene unerquickliche
, in jedes Detail gehende Anschaulichkeit
zustande kommt, die dem von keiner
umgebenden Raumgestaltung bestimmten und
bereicherten Baumodell auf dem Präsentierbrett
gefährlich nahe gerät. So schädigt der Mangel
einer künstlerischen Platzanlage recht eingreifend
die Wirkung des Theaters, das als Monumentalbau
ohne jene nicht denkbar ist.

Dazu kommt noch ein an Zweck und Form
widerstrebendes, durch keinerlei künstlerische
Erwägung der Verhältnisse zusammengehaltenes
und in keine Einheit gebrachtes Konglomerat
des umgebenden Baubildes. Man
muß staunen, daß dieses trübe, gewaltsame
Gemisch im dritten Jahrzehnt einer
hochgehenden stadtbaulichen Bewegung, deren
mitführender Meister hier ein erstes Wort zu
sagen hatte, möglich war, daß es sich gerade
im Rahmen einer Unternehmung des Werkbundes
darstellen durfte und daß es van de Veldes
Haus nicht ganz vernichtet hat. Die Opfer,
die eine solche Anordnung gefordert hat, sind
nur allzu deutlich. Zunächst hat sie die räumliche
Wirkung der schönen Brunnenfigur des
Vorplatzes völlig zerstört. Aber auch den
Theaterbau läßt sie durchaus entwurzelt erscheinen
, geradezu deplaciert, und man wird deshalb
im weiteren stadtbildlichen Sinne, ohne den
ein solches Bauwerk nicht voll bemessen werden
kann, ein letztes Urteil von vorneherein
ablehnen müssen.

Nirgends tritt der Unterschied der Kölner und
Leipziger Ausstellung so hart und anschaulich
hervor wie gerade hierin. Es läßt sich nicht
verschweigen: was der Darbietung des Baufaches
im Vorjahre als selbstverständliche,

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