Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 31. Band.1915
Seite: 135
(PDF, 131 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_31_1915/0169
ster aller Zeiten zeigen in ihren Jugendarbeiten
immer ein akademisches Können und erst
später verwandelt es sich in eines von selbständiger
Art. Es ist deshalb das größte Unrecht
, wenn man an jüngere noch in der Entwicklung
begriffene Künstler das unmöglichste
aller Verlangen stellt, nämlich das eines eigenartigen
Könnens und doch geschieht dies unaufhörlich
. Die Folge davon hat sich auch
bereits bei unseren jungen Richtungen gezeigt
. Niemand will mehr akademisch erscheinen
. Alle jungen Künstler suchen das
akademische Können zu verleugnen, schämen
sich desselben und bemühen sich mit Hilfe
des Unfertigen, des Unkorrekten und sehr oft
des Kindischen das gewünschte individuelle
Können dem ahnungslosen Publikum vorzutäuschen
. Den in der Kunst Halbgebildeten
und einer oberflächlichen Betrachtung gegenüber
erfüllt dieses Surrogat seinen Zweck, es
erscheint vor allem nicht akademisch und wirkt
auch äußerst befremdend, besitzt also scheinbar
alle Anzeichen eines individuellen Könnens
, obwohl es nur von akademischer Art
ist. Anstelle des Akademischen ist also in unseren
Tagen das verkappt Akademische getreten,
zu welcher Rubrik auch das primitive Können
zu zählen ist; es sind Auswüchse, die auf dringendes
Verlangen unserer Zeit sich herausgebildet
haben und deshalb dürfen wir uns dagegen
gar nicht einmal auflehnen, weil wir selbst an
dieser Erscheinung schuld sind. Jede Richtung
ist das Kind ihrer Zeit und ihre Untugenden
haben wir selbst auf dem Gewissen. Weil aber
alles Akademische und Mittelmäßige in der
Kunst nur vergänglicher Natur ist, so hat es keine
allzu große Bedeutung, ob diese in rein akademischer
Form oder in einer mehr oder weniger
zugestutzten Zeitform sich präsentiert, die bleibende
große Kunst wird davon nicht betroffen.

Die zukünftigen großen Meister jedoch, auf
die es allein ankommt, können wohl von der
Kunst van Goghs ausgehen, nur dürfen sie
nicht das Schwergewicht auf dessen Schwäche,
also auf das zur Zeit in großer Mode stehende
geringe Können verlegen, und ebenso wenig
dürfen sie sich das Studium des akademischen
Könnens, wie es die größten Meister aller Zeiten
betrieben haben, sich von malenden oder
dozierenden Barfußtänzern verekeln lassen.

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