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JOHANN SPERL
Wenige Tage, ehe der Weltbrand entfacht
wurde, am 28. Juli 1914, ist ein Mann
des Friedens, ein künstlerischer Idylliker,
dessen sanfte Bilder ganz auf ruhevolles
Wesen eingestellt sind, nach langen schweren
Leidensjahren gestorben: Johann Sperl,
der feinsinnige Landschaftsintimist, der in
der neueren Kunstgeschichte für immer mit
der überragenden künstlerischen Persönlichkeit
Wilhelm Leibis zusammen genannt werden
wird. Der Künstler-Freundeskreis, der
sich einst um Leibi gruppierte und heute
schon kunsthistorische Geltung erlangt hat, verliert
in Sperl seine menschlich liebenswürdigste
Persönlichkeit, einen Mann, der in
wahrhaft treuer, opferfreudiger Freundschaft
für Leibi aufging, und der ein würdiges Lebensziel
darin sah, Leibi in jeder nur erdenklichen
Weise dienstbar zu sein. Daß
Leibi in allen technischen Dingen von hervorragender
Ungeschicklichkeit war, ist bekannt,
weniger die Tatsache, daß Sperl durch sein
kluges Eingreifen zahlreiche Arbeiten Leibis
rettete, daß er ihn in Fragen der Größenverhältnisse
und der Perspektive beriet und
daß er besonders bei dem von Leibi beliebten
Zerschneiden der Bilder das entscheidende
Wort sprach. Die Zahl der Leibl-Sperl-
Anekdoten, die sowohl das gemeinsame Arbeiten
wie die Lebensgemeinschaft der
Freunde betreffen, ist überaus stattlich und
man kann in Münchner Künstlerkreisen immer
neue Varianten dieser Anekdoten zu
hören bekommen. Sperls Rolle in diesen
Geschichten ist die der absoluten Selbstentäußerung
, und für viele ist er so nur der
Amanuensis Leibis, ohne auffallenden Eigenwert
. Welche Folgen eine solche schiefe
Anschauung haben kann, das erhellt aus
Meier-Gräfes Sätzen über Sperl in seiner
„Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst".
Er sagt dort: „Sperl teilte die Einsamkeit Leibis
auf dem Lande, und dieser lohnte die Anhänglichkeit
, indem er in die Landschaften
Sperls zuweilen die Figuren hineinmalte." Dem
ist entgegenzuhalten, daß Sperls Lebensgemeinsamkeit
mit Leibi durchaus nicht ein
restloses Aufgeben seiner künstlerischen Persönlichkeit
bedeutet. Tritt man vor Sperls
selig-ruhevolle Spätsommerlandschaften aus
der Aiblinger Gegend oder vor das in berauschter
Fülle der Junifarben aufleuchtende
Bild „Die Wiese", betrachtet man seine Interieurs
in der Berliner Nationalgalerie, seine
zahlreichen, auch figürlichen Arbeiten in der
Sammlung Vermeil in Baden-Baden, so wächst
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